Dienstag, 9. August 2005

Schulden zum Einstieg ins Erwerbsleben: Vorarlberger Kids finden dickes Minus "cool"

  • Studie: Jeder vierte hat Rote Zahlen auf dem Konto
  • Der "wirtschaftlicher Analphabetismus" grassiert

Vorarlberger Jugendliche leben meist im Wohlstand, in vielen Fällen wird der Konsum aber über Schulden finanziert und ein beträchtlicher Teil der jungen Menschen tappt in die Schuldenfalle. Nicht zuletzt wegen des mangelhaften Wissens über Geld und wirtschaftliche Mechanismen finden manche Jugendliche das Schuldenmachen "cool". Das geht aus den Rohdaten einer neuen sozialwissenschaftlichen Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) und des Instituts für Sozialdienste (IfS) Vorarlberg hervor.

Der Salzburger Studienautor Heinz Schoibl, AK-Präsident Josef Fink und IfS-Schuldenberater Peter Kopf sprachen vor Journalisten von einem "Wohlstand mit Systembrüchen". Jeder vierte der 300 befragten Vorarlberger hatte laut der Studie "Rote Zahlen zum Einstieg ins Erwerbsleben" ein Minus auf dem Konto stehen. Das bereite denen keine Sorgen (mehr), so Schoibl, die bereits überzogen haben. Für Neuanschaffungen werde kaum gespart, hochpreisige Konsumgüter gebe es ohnehin auf Pump.

Befragt wurden rund 300 junge Vorarlberger, 41 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer gaben an, mit ihrem Einkommen von durchschnittlich 750 Euro nur schlecht auszukommen. Im Bedarfsfall werde Wohlstand geborgt, folgerte der Autor: 24 Prozent der jungen Frauen haben ihr Konto überzogen, 27 Prozent haben durchschnittliche Schulden von 4.200 Euro, junge Männer haben weniger oft, dafür mit 9.500 Euro Durchschnitt "fettere" Schulden". Die zehn schuldenträchtigsten Ausgaben der Jungen betreffen Handy, Fortgehen, Kleidung, Zigaretten, Sport, Auto, PC/Internet, CDs, Bücher, Motorrad/Moped.

Einstiegsdroge ins Schuldenkarussell
Peter Kopf bestätigte die Studienergebnisse aus Sicht der Praxis in der IfS-Schuldenberatung: "Das ständig überzogene Gehaltskonto ist so etwas wie eine Einstiegsdroge für das Schuldenkarussell". Kopf sprach von "wirtschaftlichem Analphabetismus", der wie eine Seuche grassiere: "Die jungen Leute kennen sich mit Geld und v.a. mit Fremdgeld nicht aus". AK-Präsident Fink forderte als Konsequenz u.a. strengere Bonitätsprüfungen durch die Banken: "Für Kredite und Kontoüberziehungen, die trotz mangelnder Bonität sorgfaltswidrig gewährt werden, sollten die Kreditgeber selbst haften". (apa/red)

9.8.2005 12:34