WM in Helsinki weggespült: Dauerregen setzte finnische Hauptstadt unter Wasser
- Leichtathletik-Stadion war in Minuten geflutet
- Noch gibt es genügend Spielräume im WM-Zeitplan

Das kleine Wort Sisu steht für den großen Kampfgeist der Finnen - beim heftigsten Unwetter des Jahres mussten aber selbst die mit allen Wassern gewaschenen Nordeuropäer aufgeben. Nichts ging mehr am Dienstagabend in Helsinki: Land unter meldeten die Notrufzentralen der Hauptstadt-Region, als die Wettkämpfe bei den X. Leichtathletik-Weltmeisterschaften im Olympiastadion längst unterbrochen waren.
Peitschender Dauerregen hatte die Tartanbahn in der Arena in Minuten ebenso geflutet wie ganze Straßenzüge in der Ostsee-Metropole. Bäume krachten auf geparkte Autos, der Verkehr stockte oder kam ganz zum Erliegen. Dabei konnten die Autofahrer noch froh sein, denn sie saßen während der sintflutartigen Regenfälle im Trockenen.
In der gesamten Hauptstadt-Region um Helsinki, Espoo und Vantaa herrschte "totales Chaos", verlautete aus der völlig überlasteten Notrufzentrale. "Wir hatten ständig fünf bis zehn Anrufer in der Warteschleife", berichtete ein Mitarbeiter. Die Polizei musste während des dreistündigen Wolkenbruchs mit Blitz und Donner viele Hauptstraßen sperren. Über 50 Mal rückten die Rettungs- und Notdienste aus. Keller liefen voll, Seen traten über die Ufer. Nach noch unbestätigten Angaben soll in Espoo ein Mann ertrunken sein.
Sturm und heftiger Regen
Im Olympiastadion von 1952 flüchteten Athleten, Offizielle und Zuschauer vor den höllischen Sturzbächen, die vom tiefschwarzen Himmel herunter prasselten. Der Wind wurde zum Sturm und kam aus allen Richtungen. Spät am Abend wurden wenigstens noch drei Finali durchgezogen, der WM-Zeitplan musste aber geändert werden.
"Das Wetter soll bis Sonntag so bleiben. Wir werden erhebliche Windprobleme haben, aber das gehört auch zur Leichtathletik", meinte Helmut Digel, der Vizepräsident des Weltverbandes IAAF, am Mittwoch. "Wenn noch einmal vier Stunden ausfallen, dann bekommen wir erhebliche Probleme, aber wir haben im Zeitplan noch Spielräume."
Selbst im Meteorologischen Institut von Helsinki zeigte man sich angesichts der Himmelsfluten erstaunt. 12,2 Millimeter Regen gingen in einer Stunde auf einen Quadratmeter nieder. "Bei einem normalen Schauer sind das nur zwischen 0,2 und 0,4 Millimeter", erklärte "Wetterfrosch" Jerre Dauchy. Bis Freitag soll es windig, kühl und nass bleiben, erst am Samstag könnte sich die Sonne wieder durch die Wolken kämpfen, kündigte der Meteorologe an. Dauchy machte dann aber allen Finnen und ihren Gästen Mut: Am Sonntag kann es wieder richtig schön werden.
(apa)
