Clay besiegte bei WM Zehnkampf-König Sebrle: Österreicher Schwarzl auf Rang 15
- 25-jähriger Amerikaner schaffte stolze 8.732 Punkte
- Schwarzl: "War nicht ganz fit. Der 'Punch' hat gefehlt"

·Finnische Präsidentin
eröffnete Wettkämpfe
BILDER: Schwarzl trug die Fahne für Österreich
·3.000m Hindernis: Weidlinger nur 12.
Sieg geht in 8:13,31 Min. an Saif Saaeed Shaheen
·Die ÖLV-Starter bei der WM in Helsinki
Von Karin Mayr-Krifka bis zu Roland Schwarzl
Von einer großen Überraschung kann man in diesem Fall zwar nicht sprechen, aber es kommt doch nicht so oft vor, dass der große Roman Sebrle geschlagen wird. Der gebürtige Texaner und Olympiazweite Bryan Clay hat am Mittwochabend bei den X. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki den Zehnkampf mit 8.732 Punkten gewonnen und den tschechischen Weltrekordler und Athen-Sieger Roman Sebrle (8.521) auf den Silberrang verwiesen. Der Ungar Attila Zsivoczky holte sich Bronze (8.385), der Österreicher Roland Schwarzl wurde 15. (7.549).
Der 25-jährige Clay, mit nur 1,80 m und 79 kg fast ein Zwerg unter den Kraftpaketen, hatte bis zuletzt nicht an den Triumph zu glauben gewagt. "Roman ist ein unglaublicher Wettkampftyp. Das hatten wir schon einmal, und dann habe ich gegen ihn verloren", hatte Clay noch nach acht Disziplinen gemeint, als er 222 Punkte Vorsprung stehen hatte. Nach dem Speerwurf nahm er 356 Zähler in den 1.500-m-Lauf mit, kam als Letzter ins Ziel, rettete aber Gold. Das Sebrle bei Welttitelkämpfen damit immer noch fehlt. Clay hatte bisher bei Weltmeisterschaften auch noch nicht viel Glück, 2001 in Edmonton (out nach sieben Disziplinen) und 2003 in St. Denis (vier) beendete er den Decathlon nicht.
Mit Ach und Krach scheint Schwarzl in Helsinki unter den Finishern auf. Mittwochfrüh hatte es nicht danach ausgesehen, dass er den Tag im Bewerb überstehen wird. "Ich habe seit längerer Zeit Schweißausbrüche und Halsschmerzen. Ein Blutbild vor Kurzem war zwar in Ordnung, aber es dürfte sich um eine Nebenhöhlenentzündung oder so etwas handeln", hatte der Kärntner nach seinem 110-m-Hürdenlauf, den er in 14,90 Sekunden absolvierte, gemeint.
Nach einer trotz Regens ("Der Kreis war sehr rutschig") sehr guten Diskusleistung - 45,56 m war die zweitbeste Karriereleistung in dieser Disziplin im Rahmen eines Zehnkampfes nach den 46,15 m heuer in Götzis - erwachte der Kampfgeist des 24-Jährigen. Im Stabhochsprung überquerte er 4,90 m (Saisonbestleistung) und rutschte dank der viertbesten Leistung aller Wettkämpfer von Rang 17 auf 14 im Gesamtklassement nach vor.
"Das war der extremste Stabhochbewerb für mich überhaupt. Der Wind hat permanent gedreht und sogar während des Anlaufes mehrmals gewechselt", sagte Schwarzl, der die Anfangshöhe von 4,50 m erst im dritten Versuch geschafft hatte. Die fünf Metern klappten dann nicht mehr. "Da waren dann die Stäbe plötzlich zu weich, weil der Wind von hinten kam."
Im Speerwurf waren für ihn dann nicht mehr als 50,67 m drinnen, Kreislaufprobleme und Übelkeit machten ihm in der Angstdisziplin zu schaffen. "Ich habe geglaubt, es prackt mich zusammen." Für die 1.500 m benötigte er zum Ausklang 4:51,25 Minuten.
Fazit: "Ich bin mit dem Gefühl, fit zu sein, hier angetreten, leider war ich das nicht. Der Punch hat gefehlt. Und für den Stabhochsprung (Topleistung/Anm.) kannst mich um vier in der Früh auch wecken. Ich wollte aber unbedingt fertig machen, denn allein die Ehrenrunde bringt es." An der sind traditionell alle Zehnkämpfer beteiligt. Was die Gesundheit betrifft, wird Schwarzl jetzt Ursachenforschung betreiben ("Ich mache noch einmal ein Blutbild, wahrscheinlich ist es etwas Bakterielles"), Wettkämpfe sind in der Freiluftsaison noch geplant. Denn: "Unter 8.000 Punkte beende ich die Saison nicht." (apa/red)
