Dienstag, 9. August 2005

Heinz-Christian Strache: FPÖ-Chef erleidet nur leichte Verluste im "Duell um Wien"!

  • Im Wahlkampf mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert
  • 4-facher Vater legt viel Wert auf Körper-Ertüchtigung

Der Wiener FP-Chef Heinz-Christian Strache hat seine erste Wahl geschlagen, massiv Stimmen verloren und ist trotzdem einer der großen Sieger des Urnengangs. Nach den schwachen Ergebnissen der Freiheitlichen im Burgenland und vor allem in der Steiermark in Folge der Parteispaltung der FPÖ sind die heutigen knapp 15 Prozent als Erfolg zu werten.

Die Ausgangslage für Strache war höchst ungewöhnlich und schwierig. Die FPÖ litt unter den Nachwehen der im Frühjahr erfolgten BZÖ-Abspaltung. Auch im Rathaus hatten einstige Weggefährten einen orangen Ableger gegründet. Doch offiziell war das Bündnis für Strache gar kein Gegner und letztlich auch tatsächlich nicht. Vielmehr sah er sich als Herausforderer von Bürgermeister und SP-Chef Michael Häupl. "Duell um Wien" ließ Strache im Wahlkampf plakatieren und hat damit und mit seinen als ausländerfeindlich empfundenen Sprüchen auch gepunktet.

Strache - er ist Mitglied der deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Vandalia - galt lange Zeit als Nachwuchshoffnung der FPÖ. Im März 2004 kam dann der erste große Karrieresprung: der damals 34-Jährige folgte Hilmar Kabas als FP-Landesparteiobmann in Wien. In seinen thematischen Schwerpunkten zeigte sich Strache immer auf traditioneller FPÖ-Linie mit den Schwerpunkten Ausländer, Asyl und Kriminalität.

In dieses Bild passten auch die Plakate, auf denen er mit dem Slogans wie "Wien darf nicht Istanbul werden" und "Deutsch statt 'Nix versteh'n'" warb. Von Seiten der politischen Gegner, aber auch von Religionsvertretern brachte ihm dies den Vorwurf des Rassismus und der Islamfeindlichkeit ein. Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, verglich den FP-Wahlkampf sogar mit den Methoden der Nationalsozialisten in den 20er und 30er Jahren.

Strache galt lange als großer Anhänger Jörg Haiders, er hatte sich wiederholt für dessen Rückkehr an die Parteispitze ausgesprochen. Allerdings häufte sich vor dem großen Crash im April 2005 die Kritik an seinem ehemaligen Vorbild. Strache, seit Juni 2004 als Vertreter des rechten Lagers Parteivize, verurteilte Haiders Abspaltungstendenzen und legte im März nach einer Entmachtung seines Flügels durch die damalige Obfrau Ursula Haubner seinen Stellvertreter-Posten zurück. Nach der Gründung des BZÖ durch Haider wurde Strache schließlich zum Obmann der übrig gebliebenen Blauen gewählt.

Geboren wurde Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Nach Abschluss seiner Zahntechnik-Lehre wurde er 1991 mit nur 21 Jahren Bezirksrat. Zwei Jahre später gründete er sein Dental-Labor, im selben Jahr wurde er FPÖ-Bezirksobmann in Wien-Landstraße. 1996 kam er in den Wiener Gemeinderat, 1999 war er Landeswahlleiter im Nationalratswahlkampf. Im Jahr 2001 wurde er stellvertretender Klubobmann im Rathaus, 2002 Landesobmann-Stellvertreter.

Strache ist Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen. Viel Wert legt er auf körperliche Ertüchtigung: Snowboarden, Fußball, Tennis, Wildwasserpaddeln und Kung-Fu zählen zu seinen Hobbies. Sportlich zeigte sich Strache auch bei einer Auseinandersetzung abseits des politischen Parketts: Eine Meinungsverschiedenheit mit einem Salzburger Arzt klärte er beim "sportlichen Fechten". Das Wort "Duell" lehnte er als Bezeichnung für diese Auseinandersetzung unter Burschenschaftern stets ab. (apa)

9.8.2005 17:10