Michael Häupl im Porträt: Wiener SPÖ-Chef verfehlte knapp sein heimliches Wahlziel!
- Absolute Stimmenmehrheit doch nicht erreicht

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (56) hat bei der Gemeinderatswahl das beste Ergebnis seiner Karriere erzielt. Das heimliche Wahlziel, die Rückeroberung der 1991 verlorenen absoluten Stimmenmehrheit, hat der SP-Chef allerdings verfehlt. Dennoch konnte die SPÖ mit 48,9 Prozent der Stimmen ihre absolute Mandatsmehrheit im Wiener Gemeinderat weiter ausbauen. Die Schmach von 1996, als die SPÖ bei Häupls erstem Antreten nur auf 39,15 Prozent kam, ist damit wohl endgültig getilgt.
Bereits mit der Wien-Wahl 2001 hatte Häupl die alten Verhältnisse im "roten Wien" einigermaßen wiederhergestellt. Die SPÖ brauchte den Regierungspartner ÖVP nicht mehr, weil 46,91 Prozent Stimmanteil für die absolute Mandatsmehrheit im Stadtparlament ausreichten.
Der Bürgermeister gelobte ob dieses Ergebnisses "Demut", schoss sich auf die schwarz-blaue Bundesregierung als Lieblingsfeind ein und konnte zufrieden zusehen, wie die FPÖ nach inneren Spannungen zerbrach. Als einzige Sorge blieb Häupl zuletzt die Frage, ob sich die SPÖ-Unterstützer angesichts des sich abzeichnenden überwältigenden Wahlsiegs ausreichend mobilisieren lassen würden - zu recht, wie sich am Sonntag zeigte: Die SPÖ konnte nur leicht zulegen, die Verluste der FPÖ fielen schwächer als erwartet aus.
Die ersten Schritte in der Politik machte der am 14. September 1949 geborene Michael Häupl bereits in jungen Jahren. Zunächst betätigte er sich unter dem Kneipnamen "Roland" in der schlagenden Studentenverbindung "Rugia" - was er heute als "eher eine Verirrung" bezeichnet.
Nach der Matura begann er in Wien das Studium der Biologie und Zoologie. Ab dem Jahr 1975 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum und promovierte zwei Jahre später über die Schädelkinetik bei Gekkoniden, den Kleinechsen aus den (Sub-)Tropen. Bereits während des Studiums war Häupl zum Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) gestoßen, als dessen Bundesvorsitzender er von 1975 bis 1977 fungierte.
Die Verlagerung des Schwerpunktes von den Eidechsen hin zur Politik erfolgte schließlich 1983, als Häupl in den Wiener Gemeinderat einzog und dort bald den Vorsitz des Umweltausschusses übernahm. Am 29. Jänner 1988 wechselte er auf Wunsch des damaligen Bürgermeisters Helmut Zilk als Umweltstadtrat in die Stadtregierung.
Endgültig zu Zilks Kronprinzen für das Amt des Bürgermeisters avancierte Häupl schließlich am 23. April 1993, als er die Nachfolge Hans Mayrs als Vorsitzender der Wiener SPÖ antrat. Die Wahl zum Stadtoberhaupt erfolgte schließlich am 7. November des Folgejahres. Bleibt er nun, nach seiner bereits dritten Wahl als Wiener Bürgermeister, noch mindestens drei Jahre im Amt, wird er Franz Jonas als längst dienendes Nachkriegs-Stadtoberhaupt ablösen.
Häupl ist Vater von zwei Kindern. Im Juli hat er die Trennung von seiner zweiten Frau, Helga Häupl-Seitz, bekannt gegeben. (apa/red)
