Mittwoch, 10. August 2005

Gewaltiges Papst-Spektakel oder Pilgerfest:
Gemischte Gefühle vor dem Weltjugendtag

  • Mehr als 400.000 junge Leute aus aller Welt erwartet
  • Offizielle rechnen mit 800.000 bei Abschlussmesse

Papst-Spektakel oder Pilgertreffen mit Tiefgang, dogmatische Belehrung oder Dialog mit jungen Christen? Der katholische Weltjugendtag in Köln löste im Vorfeld gemischte Gefühle aus. Unbestritten ist, dass das Treffen in der nächsten Woche (16.- 21. August) ein Mammutereignis wird: Benedikt XVI., der erste deutsche Papst seit mindestens einem halben Jahrtausend, besucht sein Heimatland. 600 Bischöfe begleiten ihn auf seiner ersten Auslandsreise, 4000 Journalisten verfolgen jeden seiner Schritte. 400.000 junge Leute aus aller Welt kommen auf der Suche nach religiöser Inspiration nach Köln, 800.000 Gläubige werden zur Abschlussmesse erwartet.

Zu diesem Weltjugendtag hatte, wie schon seit 20 Jahren, noch Papst Johannes Paul II. eingeladen. Auch wenn viele Jugendliche mit seinen Glaubensaussagen etwa zu Sexualität oder Frauenpriestertum wenig anfangen konnten - Johannes Paul II. zog sie in ihren Bann. Er galt als Prediger gegen Krieg und für Gerechtigkeit. "Christus fordert euch auf, gegen den Strom zu schwimmen" - mit solchen Äußerungen begeisterte er die jungen Zuhörer. Für sein Charisma war keine Menschenmenge zu groß, kein Platz zu weit.

Nun richten sich alle Augen auf seinen Nachfolger Benedikt XVI. Nicht nur die Katholiken, auch die Medien werden genau darauf achten, wie er wirkt auf die Teilnehmer des Weltjugendtags, was von ihm ausgeht, wenn er vom "Papsthügel" auf dem Marienfeld westlich von Köln am 21. August bei der Abschlussmesse zu der in der Ebene versammelten riesigen Gemeinde spricht. Ob auf dem Rheinschiff bei der Ankunft, bei Audienzen mit deutschem Bundeskanzler und Oppositionschefin, beim Besuch einer Synagoge oder beim Gespräch mit Muslimen - immer wird der Papst im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Skeptiker befürchten schon, der eigentliche Anlass der Papstreise, das Treffen mit dem christlichen Nachwuchs aus aller Welt, könnte dadurch ins Hintertreffen geraten. "Es könnte sein, dass die Jugendlichen etwas zur Staffage werden", warnt Knuth Erbe, der Vorsitzende des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend. Und Christian Weisner von der Laiengruppierung "Wir sind Kirche" meint: "Es besteht die große Gefahr, dass es wieder nur ein Papst-Event wird."

Die Organisatoren halten dem die vielen religiösen Programmpunkte entgegen. Wenn sie nicht so spektakulär seien wie die Auftritte des neuen Papstes und deshalb von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen würden, bedeute dies noch lange nicht, dass die geistliche Dimension zu kurz komme. "Ich kenne keine Großveranstaltung mit so vielen Momenten der Stille und des Nachdenkens", sagt Prälat Heiner Koch, der Generalsekretär des Weltjugendtags. Und Jugendbischof Franz-Josef Bode ist sicher, dass die meisten Teilnehmer religiöses Interesse nach Köln lockt: "Ich habe nicht den Eindruck, dass nur die Papstjugend kommt. Die Leute, die mitmachen, sind ganz normale Jugendliche, die Bezug zur Kirche haben." (apa/red)

10.8.2005 14:37