Mittwoch, 10. August 2005

"Die Wege des Herrn sind unergründlich": Ein deutscher Papst zu Besuch in Köln

  • Großer Auftritt Benedikts XVI. vor der Jugend

Ein deutscher Papst besucht Deutschland! Wer vor einem Jahr eine solche Schlagzeile prophezeit hätte, wäre glatt ausgelacht worden. Jetzt ist es soweit: Benedikt XVI., der einst für so streng gehaltene Joseph Ratzinger, besucht auf seiner ersten Auslandsreise Köln. "Die Wege des Herrn sind unergründlich", meint da ein Theologe im Vatikan lächelnd.

Doch ausgerechnet kurz vor der historischen Reise kommt ein dunkler Schatten auf: Ein hässlicher Streit zwischen Israel und dem Vatikan über das Thema Terrorismus droht, die Stimmung zu trüben - dabei steht auch ein Besuch Benedikts in der Kölner Synagoge auf dem Programm. Ein deutscher Papst in einer Synagoge, das gab es noch nie in 2000 Jahren Kirchengeschichte: Wird Benedikt dort eine große Geste der Versöhnung gelingen?

Veranstalter setzten noch auf Johannes Paul II.
Ursprünglich hatten die Kölner Veranstalter ja geplant, dass Johannes Paul II. noch einmal einen "großen Auftritt" vor den Jugendlichen hat. Trotz Krankheit und Alter hatten die Kölner "wild entschlossen" auf sein Kommen gesetzt. Johannes Paul, der "große Kommunikator" - er wusste die Jugendlichen zu faszinieren. Ob in Toronto, Paris oder Rom - zu seinen "Jugend-Messen" kamen Millionen. Der alte Papst und die Jugend, eine ganz besondere Beziehung war das. Wird Ratzinger da anknüpfen können? Leicht wird es nicht sein.

Seinen Entschluss, nach Köln zu reisen, habe Benedikt bereits Minuten nach seiner Wahl zum Papst gefällt. Noch in der Sixtinischen Kapelle war das, der Kölner Erzbischof Joachim Meisner erinnert sich: Eigentlich wollte er den frischgebackenen Papst forsch und geradeheraus fragen, ob er nach Köln kommt. Doch dann habe ihm in dieser denkwürdigen Stunde plötzlich die Courage verlassen, kein Wort habe er rausgebracht, erzählt Meisner. "Da hat dann der Heilige Vater gesagt: "Du, ich komme!""

Ratzinger muss Jugend erst für sich gewinnen
Dabei kann man nicht gerade behaupten, Ratzinger habe bisher ein sonderlich enges oder herzliches Verhältnis zur Jugend entwickelt. Zwar war er früher Jahre lang Professor gewesen, aber da hatte er es mit Theologiestudenten und angehenden Priestern zu tun - die bunt gemischte Schar beim Weltjugendtag ist da doch ein anderes Publikum. An der Universität müssen die Studenten zuhören, in Köln muss Ratzinger seine Zuhörer erst einmal für sich gewinnen.

Doch "der Neue" auf dem Stuhl Petri hat schnell dazugelernt, schon ein paar Tage nach seiner Wahl, beim Empfang deutscher Pilger wandte er sich ausdrücklich an die jungen Leute. Es sei nicht richtig, dass die Jugend meist oberflächlich sei, nur auf das Materielle fixiert. "Die Jugend will das Große, die Jugend will das Wahre!", rief er. Genau das war auch die Botschaft seines Vorgängers. (apa/red)

10.8.2005 15:24