Merkel distanziert sich von Stoiber: Neue
"Ossi-Attacke" sorgt für Krach in der Union
- CSU-Boss verglich PDS-Anhänger mit "Kälbern"
- UMFRAGE: Entscheiden Stoiber-Fehltritte die Wahl?
·Entscheiden Stoiber-Fehltritte Wahlkampf?
Umfrage: CDU-Sieg durch
'Ossi'-Attacken gefährdet?
·Schröder: Warnung vor Ost-West-Spaltung
Deutscher Kanzler nennt Stoiber-Sager "fatal"
·Deutschland: Heftige Stoiber-Diskussion
CSU-Chef sorgt mit Ost- Beleidigung für Aufsehen
Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat CSU-Chef Edmund Stoiber wegen dessen umstrittenen Äußerungen über die Ostdeutschen scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, das Land zu spalten. "Kraftmeierei und Geschmacklosigkeit von Herrn Stoiber und Führungsschwäche von Frau Merkel sind nicht geeignet, dieses Land zusammenzuhalten", sagte Schröder in Hannover zum Wahlkampf-Auftakt der SPD. Stoiber sah dagegen trotz parteiübergreifender Kritik keinen Grund sich zu entschuldigen. Unions-Kanzlerkandidatin Merkel distanzierte sich erneut von Stoibers Äußerungen.
Schröder erklärte, was Stoiber gegenüber den Ostdeutschen ausgesprochen habe, sei diffamierend und geschmacklos und müsse in aller Schärfe und Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Was an Gegeneinander in den Köpfen der Menschen übrig geblieben sei, müsse nicht auf-, sondern abgebaut werden.
Stoiber erklärte im ZDF-Sommerinterview, mit seinen Attacken im Wahlkampf habe er einzig und allein auf das Linksbündnis gezielt. "All das, was Sie jetzt hier zitieren, ist im Zusammenhang zu sehen mit der für mich nicht nachvollziehbaren Tatsache, dass Gysi und Lafontaine - diese Altfrustrierten in Deutschland - vor allen Dingen auch in den neuen Ländern einen solchen Zulauf haben." Ihm sei die Auseinandersetzung mit dem Linksbündnis viel zu lasch.
Stoiber attackiert Wähler im Osten
Unterdessen wurden abermals Attacken Stoibers gegen die Linkspartei und PDS-Wähler bekannt. Laut Medienberichten verglich er bereits am 5. August bei einer Kundgebung im niederbayerischen Deggendorf PDS-Wähler mit Kälbern. Ein Sprecher Stoibers bestätigte AP die Äußerungen. So erzählte Stoiber laut "Spiegel" in Deggendorf von seinen Auftritten in Jena und Eisenach, wo er die dortigen Zuhörer gefragt habe: "Seid ihr euch bewusst: Ihr habt hier Plakate mit Lafontaine. Und der Mann, der im Grunde genommen gegen die Wiedervereinigung war, den feiert ihr jetzt als Helden? Ja, seid ihr denn verrückt geworden? Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber."
Auf einer anderen Wahlkampfveranstaltung hatte Stoiber zuvor gesagt, er akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, "wer in Deutschland Kanzler wird". Die "Frustrierten" könnten nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen. Inzwischen erklärte Stoiber mehrfach, seine Äußerungen würden missgedeutet. Seine Kritik sei auf die Linkspartei und ihre Galionsfiguren Gregor Gysi und Oskar Lafontaine gemünzt gewesen.
Merkel beklagt sich beim CSU-Boss
Ein Sprecher Stoibers sagte der AP, Stoiber warne bei allen Wahlkampfveranstaltungen, im Westen und auch im Osten, mit deutlichen Worten vor den negativen Folgen einer Wahl der PDS. Die Kritik am CSU-Chef hielt unvermindert an. Die "Bild"-Zeitung meldete unter Berufung auf Informationen aus der CDU-Führung, Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel habe sich in einem Telefonat mit Stoiber über dessen Äußerungen beklagt. Sie seien zu weit gegangen und "nicht hilfreich" gewesen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kritisierte, Merkel schone Stoiber zu sehr. Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) wies Stoibers Kritik in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ebenfalls zurück. (apa/red)
