Freitag, 12. August 2005

Sprengstoffexplosion in Wohngebiet bei Regensburg: Rohrbombe tötete Mann

  • 67-jähriger Attentäter sprengte sich selbst in die Luft
  • Polizei fand bei großangelegter Suchaktion 7 Bomben

Bei einem fehl geschlagenen Bombenattentat auf einen 66-Jährigen hat sich in Barbing in der Oberpfalz ein Münchner selbst in die Luft gesprengt. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen, ein mögliches Motiv sei Eifersucht, sagte ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) am Freitagabend. Bei groß angelegten Suchaktionen fand die Polizei sieben weitere Sprengsätze.

An beiden Orten wurden mehr als 1.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Erst am Abend konnten die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren. Auch in Regensburg mussten noch am Nachmittag rund 300 Menschen ihre Häuser verlassen. Dort untersuchten die Ermittler ein Auto des 66-Jährigen, der mit den Anschlägen getroffen werden sollte. Am Abend konnte Entwarnung gegeben werden.

Die Hintergründe der Explosion in der Nacht auf Freitag seien noch unklar, sagte Josef Geißdörfer, Leiter der Ermittlungsabteilung. Zu den sicher gestellten Sprengkörpern sagte er: "Das waren keine Bastlerbomben." Einen Terroranschlag sowie ein ursprünglich auch erwogenes ausländerfeindliches Motiv schloss das LKA am Abend aus.

Der 67-Jährige, dessen Identität noch nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, wollte mit den Bomben offenbar das Haus eines 66 Jahre alten Deutschen türkischer Herkunft treffen. "Wir tappen im Dunkeln", sagte ein LKA-Sprecher in Barbing. Die Ermittler untersuchen weiter, ob es eine persönliche oder geschäftliche Beziehung zwischen den beiden Männern gab.

Der Münchner war nach Angaben des LKA in der Nacht zum Freitag mit einem Motorrad nach Barbing gefahren und hatte am Haus seines Opfers drei Sprengsätze angebracht. Anschließend wollte er am Auto des 66-Jährigen offenbar eine Rohrbombe befestigen. Dabei habe er sich versehentlich in die Luft gesprengt.

Anrainer waren durch den lauten Knall um 2.00 Uhr aufmerksam geworden und hatten die Polizei alarmiert. Die Ermittler fanden den Toten zwischen zwei Autos. Das Haus in der Oberpfälzer Ortschaft wurde in einem Umkreis von 1.000 Metern abgesperrt. Drei Sprengsätze wurden kontrolliert gesprengt.

In München räumte das LKA das Wohnhaus des Täters und fünf benachbarte Anwesen. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Getöteten wurden zwei Sprengsätze entdeckt. Zuvor hatten die Fahnder in einer Garage im Hof des Wohnhauses zwei Rohrbomben und weiteres verdächtiges Material entdeckt. Die vier Sprengsätze waren aber nicht zündfertig. (apa)

12.8.2005 10:34