Mittwoch, 10. August 2005

Helikopter vor Estland ins Meer gestürzt: Alle 14 Insassen ums Leben gekommen

  • "Leider gibt es keine Hoffnung auf Überlebende mehr"

Beim Absturz eines finnischen Hubschraubers über der Ostsee vor Estland sind am Mittwoch wahrscheinlich alle 14 Insassen ums Leben gekommen. Nach mehrstündigen, fieberhaften Rettungsanstrengungen ohne Erfolg sagte der estnische Ministerpräsident Andrus Ansip der Nachrichtenagentur BNS: "Leider gibt es keine Hoffnung auf Überlebende mehr." Fast zur selben Minute kündigte die Staatsanwaltschaft in Tallinn Ermittlungen darüber an, ob wegen des anhaltend schlechten Wetters über der Ostsee möglicherweise Flugbestimmungen verletzt worden sind.

Erst mehr als fünf Stunden nach dem Absturz wurde die Unglücksstelle mit dem Wrack genau geortet. Finnische Taucher sowie ein ferngesteuertes Mini-U-Boot aus Helsinki wurden am frühen Abend bereitgestellt. Von ihrem Einsatz wurde endgültige Klarheit über das Schicksal der Insassen erwartet.

Neben den beiden finnischen Piloten waren unter den in 40 bis 50 Meter Tiefe im Wrack eingeschlossenen Opfern sechs weitere Finnen, vier Esten und zwei Passagiere aus den USA. Der voll besetzte Helikopter vom Typ Sikorsky S-76 war am Mittag um 12.40 Uhr Ortszeit von Estlands Hauptstadt aus bei kräftigem Wind über der Ostsee zu einem Linienflug Richtung Helsinki abgeflogen. Der Funkverkehr brach drei Minuten später ab. Die Absturzstelle befand sich nach den Behördenangaben fünf Kilometer vor der Küste und in der Nähe der kleinen Insel Naissaar.

Der Chef der für den Flug verantwortlichen finnischen Fluggesellschaft Copterline, Jorma Kalhola, sagte über mögliche Ursachen: "Das Ganze ist für uns ein Mysterium." Mehrere Medien in Helsinki berichteten auf ihren Internetseiten, dass das kleine, mit insgesamt drei Hubschraubern operierende Unternehmen im Mai von den Luftfahrtbehörde zeitweise Einschränkungen im Linienbetrieb zwischen Helsinki und Tallinn auferlegt bekommen habe. Hintergrund seien mangelhafte Kenntnisse der Piloten bei Instrumentenflügen gewesen. Nach zusätzlichen Schulungen sei das Verbot von Schlechtwetter-Flügen wieder aufgehoben worden.

Das Unglück ereignete sich einen Tag nach schweren Stürmen mit wolkenbruchartigem Regen über dem nordöstlichen Teil der Ostsee. Auch nach diesem Unwetter, dass neben dem Verkehr in Helsinki auch die dort stattfindenden Leitathletik-Weltmeisterschaft zeitweise lahm gelegt hatte, wurden über der Ostsee weiter kräftige Winde gemessen.

So nannte das Meteorologische Institut in Helsinki Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 Metern pro Sekunde über dem Finnischen Meerbusen. Wegen Warnungen über erneut bevorstehende Stürme kündigten mehrere Fährgesellschaften die vorübergehende Einstellung ihrer Liniendienste an. Copterline-Geschäftsführer Kari Lungbjerg sagte dazu: "Das Wetter hat definitiv keine Rolle gespielt." (apa/red)

10.8.2005 14:03