Dienstag, 9. August 2005

Mutmaßlicher serbischer Kriegsverbrecher gefasst: Milan Lukic in Argentinien verhaftet

  • Den Haag erwartet die Auslieferung von Lukic
  • Seine Opfer nannten ihn "Herr über Leben und Tod"

Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Milan Lukic ist in Buenos Aires verhaftet worden. Er habe falsche Dokumente und eine größere Geldsumme bei sich gehabt, berichteten die serbischen Behörden in Belgrad. Er sei inzwischen nach Informationen von Interpol jedoch eindeutig identifiziert worden. Der 1967 Geborene werde in Auslieferungshaft genommen und dann an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt. Das internationale Gericht habe den Vortritt vor der serbischen Justiz, die den Mann ebenfalls international zur Fahndung ausgeschrieben hatte, hieß es in Belgrad. Lukic hat seiner Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zugestimmt. Das sagte ein mit dem Fall betrauter Anwalt am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Lukics Festnahme am Montag in der Innenstadt von Buenos Aires sei eine koordinierte Zusammenarbeit der serbischen und argentinischen Polizei vorausgegangen, sagte eine Sprecherin von Chefanklägerin Carla del Ponte, Florence Hartmann. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat Lukic vor fünf Jahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Lukic sollte am Dienstag in Argentinien verhört werden, wie die Behörden mitteilten. "Das Auslieferungsverfahren wird nicht lange dauern und ich erwarte, dass Lukic bereits in einigen Tagen in Den Haag sein wird", sagte der serbisch-montenegrinische Menschenrechts- und Minderheitenminister Rasim Ljajic dem Sender B-92.

Lukic wird vom UN-Tribunal als Führer der serbischen Paramilitärs "Weiße Adler" und "Rächer" im bosnischen Bürgerkrieg in den Jahren 1992-1995 gesucht. Diese als besonders brutal geltenden Gruppen sollen für Dutzende Morde an Bosniaken, für Quälereien, Plünderungen, Massenvertreibungen und großflächige Zerstörungen im Gebiet der ostbosnischen Stadt Visegrad verantwortlich sein. Die Lukic-Einheit soll nach der Anklageschrift des Tribunals wiederholt Zivilisten in Häuser eingesperrt und diese dann angezündet haben.

Mittäter bereits verurteilt
Als Mittäter war bereits Mitar Vasiljevic vom UNO-Tribunal zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er verbüßt seine Strafe in Österreich. Von der langen Liste der Angeklagten, die das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen während der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien (1991 bis 1999) sucht, befinden sich jetzt noch neun Personen auf der Flucht. Ganz oben auf der Fahndungsliste stehen der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, dessen Militärchef Ratko Mladic sowie der kroatische General Ante Gotovina.

Lukic, den die verängstigten Opfer auch "Herr über Leben und Tod" genannt haben sollen, war bereits zuvor in Belgrad in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, weil von ihm geführte serbische Paramilitärs im Oktober 1992 an der bosnisch-serbischen Grenze 16 Muslime aus dem Ort Sjeverin ermordet hatten. Lukic ist der zweite mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher, der in Argentinien festgenommen wurde. Am 13. Mai war der Polizei in Mendoza Nebojsa Minic ins Netz gegangen. Serbien beantragte inzwischen dessen Auslieferung. (apa)

9.8.2005 14:04