Iran fühlt sich im Atomstreit keiner Schuld bewusst: "Verstoß, Was für ein Verstoß?"

  • Teheran pocht weiter auf ziviles Nuklearprogramm
  • IAEO hat sich in Wien zu Sondersitzung versammelt

Der Iran fühlt sich im Atomstreit keinerlei Schuld bewusst und sieht sich ganz im Einklang mit internationalen Verträgen. "Verstoß, was für ein Verstoß?", meint der scheidende Vizeleiter der iranischen Atomenergie-Organisation, Mohammad Saidi, selbstbewusst vor seinem Abflug nach Wien zur Sondersitzung des Gouverneursrates der Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Die Teheraner Führung argumentiert, dass sie in Übereinstimmung mit dem Atomwaffen-Sperrvertrag das Recht auf ein ziviles Nuklearprogramm habe.

"Der IAEO-Gouverneursrat kann keine rechtlichen Schritte gegen uns einleiten", meint Saidi, der als Hauptansprechpartner in Atomfragen fungiert, bis der neue Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad sein Team auf die Beine gestellt hat und der neue Chefunterhändler im Amt ist. Das soll der ultrakonservative Politiker Ali Larijani werden.

In der umstrittenen Anlage von Isfahan, so argumentiert der neue Präsident, habe Teheran auf internationale Besorgnisse Rücksicht genommen. In einem Telefonat habe er UNO-Generalsekretär Kofi Annan darauf hingewiesen, dass der Iran "geduldig" darauf gewartet habe, bis die IAEO ihre Überwachungskameras installiere. Erst dann seien die nicht versiegelten Teile der Forschungsanlage geöffnet worden, hieß es in Teheran.

Saidi betont in diesem Zusammenhang, dass die Anlage in Isfahan nur dazu diene, das gasförmige Uranhexaflorid herzustellen, das für die eigentliche Urananreicherung benötigt wird. Das fertige Uranhexaflorid werde in Isfahan gelagert, bis eine Einigung über die nächste Phase getroffen werde, sagte Saidi. In der nächsten Stufe soll das Gas in die Zentrifugen der eigentlichen Urananreicherungsanlage im benachbarten Natanz gespeist werden, die zur Zeit noch geschlossen ist.

Diese Anreicherung wurde gemäß der Vereinbarung mit dem EU-Trio Frankreich, Deutschland und Großbritannien vom November 2004 suspendiert. Diese Pause bei der Anreicherung hat Teheran allerdings von Fortschritten bei den Verhandlungen abhängig gemacht, die es nicht sieht. Bisher habe es noch keinen "spürbare Fortschritte" gegeben, und "deshalb werden wir zumindest in der Anlage in Isfahan unsere Forschungen nicht länger hinauszögern", sagt der Sprecher des Außenministeriums, Hamid-Reza Assefi.

Mit den bisherigen EU-Vorschlägen, die wirtschaftliche Anreize sowie die Lieferung von Brennstoff für Atomkraftwerke vorsahen, zeigte sich Teheran absolut unzufrieden. "Das ist so, als würde man versuchen, ein Kind mit einem Stückchen Schokolade zu beruhigen", meint Kazem Dashalali, der Sprecher der Sicherheitskommission des Parlaments (Majlis). Nicht weniger deutlich wurde der mutmaßliche neue Chefunterhändler Larijani. Er verglich die EU-Angebote mit einem "Bonbon für eine einzigartige Perle". (apa)

9.8.2005 13:21
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