Dienstag, 9. August 2005

Flucht ins Verderben: Mindestens neun Tote
bei Wohnhausbrand in Berliner Mietshaus!

  • Vier Kinder unter den Opfern. Sieben Verletzte
  • Fremdenfeindlicher Hintergrund wird ausgeschlossen

Bei einem der verheerendsten Wohnhausbrände in Berlin sind nuen Menschen ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern sind fünf Kinder, teilte die Polizei bei einer Pressekonferenz am Dienstag mit. Das Feuer war in der Nacht in einem überwiegend von Ausländern bewohnten Mietshaus im Stadtteil Moabit ausgebrochen. Die Ermittler gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Zugleich schloss Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) einen ausländerfeindlichen Hintergrund aus.

Mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer waren nach Einschätzung der Feuerwehr Sprachprobleme der ausländischen Bewohner. Diese hätten die Anweisungen der Feuerwehr nicht verstanden. Mehrere ausländische Anrainer, darunter Araber und Polen, widersprachen dieser Darstellung am Dienstag am Rande einer Andacht für die Opfer. Die Feuerwehr wies Vorwürfe zurück, die Einsatzkräfte seien zu spät gekommen.

Feuerwehr konnte Bewohner nicht stoppen
Feuerwehrchef Albrecht Broemme sagte, seine Kollegen hätten keine Chance gehabt, ihre Anweisungen verständlich zu machen. Die Einsatzkräfte hätten die Bewohner davor gewarnt, aus den Wohnungen in das Treppenhaus aus Holz zu laufen, das wie ein Kamin brannte. Dennoch seien viele in die Flammen und in den Rauch gerannt.

Die Flucht in das verqualmte Treppenhaus habe geradewegs ins Verderben geführt, sagte Broemme. Die Feuerwehr sei innerhalb von sechs Minuten an der Unglücksstelle gewesen. Künftig sollten ausländische Gemeinden in der Hauptstadt verstärkt über den Brandschutz informiert werden.

Laut Berliner Senator kein "krimineller Anschlag"
"Es deutet nichts auf einen politischen oder kriminellen Anschlag hin", sagte Körting. Ermittler entdeckten im Hausflur im Erdgeschoss mehrere verkohlte Kinderwagen. Vermutlich seien diese in Brand gesetzt worden.

Vier der Todesopfer gehörten zu einer deutsch-polnischen Familie. In den Flammen starb auch ein zweijähriges Kind. 15 Menschen wurden den Angaben zufolge schwer verletzt. Zwei von ihnen schwebten befanden sich nach der Tragödie am Dienstag noch in Lebensgefahr. Zehn weitere Bewohner erlitten leichtere Verletzungen. Sie waren in der Nacht in einem Feuerwehrbus von Notärzten und Sanitätern behandelt worden. (apa/red)

9.8.2005 07:26