Saddam hat jetzt nur mehr einen Anwalt: Verteidigungsteam von Familie gefeuert
- Irakischen Anwalt Dulaimi bekommt Alleinvollmacht
- PLUS: Prozess live im irakischen Fernsehen gezeigt

·Irak: Prozess gegen Saddam live im TV
"Faires und gerechtes" Verfahren versprochen
·Schlägerei mit Saddam vor Gericht
Anwälte: Hussein von Unbekanntem attackiert
Die Familie des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat das bisherige Verteidigerteam für den im Irak geplanten Prozess entlassen. In einer am Montag in der jordanischen Hauptstadt Amman veröffentlichten Erklärung wurde mitgeteilt, Saddam Hussein werde künftig nur noch von dem irakischen Anwalt Khalil Dulaimi vertreten.
Dulaimi gehörte bereits zu dem von Jordanien aus agierenden Verteidigerteam. Er begleitete Saddam Hussein bei einigen der bisher stattgefundenen Gerichtsterminen in Bagdad. Allerdings war kein Anwalt an Saddam Husseins Seite, als dieser vom Sondergericht des Mordes an rivalisierenden Politikern, des Giftgasangriffs auf Kurden in Halabja 1980, der Invasion Kuwaits 1990 sowie der Unterdrückung schiitischer und kurdischer Aufstände 1991 beschuldigt wurde.
Die Erklärung wurde von Saddam Husseins Tochter Raghad unterzeichnet. Aus der Familie nahe stehenden Kreisen verlautete, die Familie sei über Erklärungen verschiedener Anwälte Saddam Husseins außer sich. Sie wolle, dass künftig nur noch mit einer Stimme im Namen des Ex-Präsidenten Erklärungen abgegeben werden. Die Erklärung ließ aber offen, ob in Zukunft wieder weitere Anwälte hinzugezogen werden.
Saddam Husseins Verteidigerteam bestand aus 1.500 Anwälten, die sich freiwillig gemeldet hatten. Auch prominente Juristen wie der frühere US-Justizminister Ramsey Clark gehörten dazu.
Saddam Hussein wurde im April 2003 von US-geführten Truppen gestürzt und war anschließend untergetaucht. Ende 2003 wurde er von US-Soldaten gefasst. Seitdem sitzt er in Haft. Ihm und elf seiner engsten Vertrauten soll auch wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Prozess gemacht werden.
Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari hatte erklärt, die Regierung werde keine internationale Einflussnahme auf den geplanten Prozess dulden. Die US-Regierung soll hinter den Kulissen versucht haben, den Prozessbeginn hinauszuzögern, weil sie mit einer Verstärkung der Aktivitäten von Aufständischen rechnet. Der irakische Vizepräsident Adil Abdul Mahdi hatte erklärt, es gebe sowohl im Irak als auch aus dem Ausland "Druck" auf die Regierung mit dem Ziel, den Prozessbeginn aufzuschieben. Die Amerikaner haben sich von einigen Kreisen im Irak den Vorwurf eingehandelt, dass sie befürchteten, Saddam Hussein könnte vor Gericht Geheimnisse preisgeben, die für Washington unangenehm wären. (apa/red)
