Freitag, 12. August 2005

Acht Fächer mit Zugangsbeschränkungen: FORMAT über das Studium mit Hindernissen

  • Beliebte Studienfächer nur noch schwer zugänglich
  • PLUS: Wie die Unis ihre Studenten jetzt auswählen

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer kann dem hektischen Run hoffnungsvoller junger Leute auf die Anmeldeschalter der Universitäten positive Aspekte abgewinnen. "Es ist schön, dass so viele Studenten angemeldet sind", freute sich die für das Hochschulwesen zuständige Ministerin vor wenigen Tagen. Weniger schön ist dieser Umstand jedoch für alle, die im Herbstsemester in Wien oder Innsbruck ihr Medizinstudium beginnen wollen und sich im Vertrauen auf die bis Oktober laufenden Inskriptionsfristen nicht schon in den ersten Tagen um die Anmeldung gekümmert haben.

Die Anmeldeverfahren wurden nämlich vorzeitig abgebrochen. Schon Mitte Juli gab es für Zuspätkommende nur mehr aussichtslose Plätze auf den hoffnungslos überfüllten Wartelisten. "Ich habe die Voranmeldung per Internet erledigt und musste meine Mutter zu den Inskriptionsformalitäten schicken, weil ich in der ersten Anmeldewoche nicht in Österreich war", erzählt die angehende Medizinstudentin Marie Mittringer, wie familiärer Zusammenhalt ihren Studienplatz in Wien rettete.

Alle Hochschulen gestürmt
Obwohl das eher simpel gestrickte Prinzip des "first come - first serve" nur an den Medizin-Unis Wien und Innsbruck zur Anwendung kommt, stürmten die Studienanwärter sicherheitshalber auch andere Hochschulen und Studienrichtungen. So haben sich an der Wiener TU bis jetzt schon doppelt so viele neue Hörer eingeschrieben wie im Jahr zuvor. Dabei ändert sich an der Technik - zumindest vorerst - nichts.

Auslöser der Turbulenzen war die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), der am 7. Juli die Zugangsregeln für Studenten aus EU-Ländern an heimische Unis kippte. Bis dahin war ein Studienplatz im Heimatland Voraussetzung, um an einer österreichischen Uni zu inskribieren. Für Österreicher reichte dagegen das Maturazeugnis. Damit ist jetzt Schluss - nun gilt gleiches Recht für alle EU-Studenten. Die Folge: ein Massenandrang der österreichischen Medizinstudienanwärter ab dem 4. Juli, um dem erwarteten Ansturm jener deutscher Studienbewerber zuvorzukommen, die wegen zu schlechter Abiturnoten keine Aussicht auf Studienplätze im eigenen Land haben. In Deutschland gilt nämlich für begehrte Fächer wie Medizin, aber auch Pharmazie, Biologie oder Psychologie der Numerus clausus - nur mit den besten Reifeprüfungsnoten gibt es Studienplätze. Exzellent über die Rechtslage informiert und bestens vorbereitet, standen dann auch am 8. Juli Hunderte von Deutschen in den Warteschlangen.

Verantwortung zu Aufnahmekriterien abgewälzt
An diesem Tag reagierte auch Gehrers Ministerium auf die EuGH-Entscheidung: Den Unis wurde anheimgestellt, für die Fächer Medizin und Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Biologie, Pharmazie, Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Betriebswirtschaft eigenverantwortlich Aufnahmekriterien zu erlassen.

Unspektakulär, aber wirksam fand so das Prinzip des freien Hochschulzugangs in Österreich sein Ende. Von den acht Fächern unterliegen in Deutschland nur sechs dem Numerus clausus, womit sich Aufnahmekriterien als Mittel gegen den ungebremsten Ansturm abgewiesener Bewerber auf Österreich begründen ließen. Für Betriebswirtschaft wurde der Numerus clausus in Deutschland aber gerade aufgehoben, für Publizistik gab es nie einen - gerade dieses Fach ist in Österreich chronisch überlaufen. Besonders angetan von Studienbeschränkungen ist nun auch der Rechnungshof: Er regte bereits an, auch den Zugang zu Lehramtsstudien mit Eingangstests zu kanalisieren.

Die gesamte Story über die Lage an Österreichs Universitäten finden Sie im aktuellen FORMAT!

12.8.2005 11:27