Medikamenten-Skandal: Rauch-Kallat sieht das Vertrauen in manche Ärzte erschüttert
- Ministerin fordert das Ende fragwürdiger Praktiken
- "Dort wo es nötig ist, werde ich Konflikt nicht scheuen'
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) sieht angesichts der Debatte über Naturalrabatte beim Medikamentenkauf für Mediziner das Vertrauen der Bevölkerung "in manche Ärzte erschüttert". Es sei jetzt Aufgabe der Ärztekammer, das Vertrauen der Patienten wieder zu rechtfertigen. Rauch-Kallat betonte, sie sei "mit aller Konsequenz dahinter, fragwürdige Praktiken abzustellen".
Allerdings plädiere sie im Radio-Mittagsjournal des ORF auch für einen sorgfältigen Umgang bei der öffentlichen Darstellung. Dass Politiker Konflikte mit mächtigen Pharmakonzernen und der Lobby der Ärzteschaft scheuten, sieht die Ministerin nicht so: "Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren bewiesen, dass ich wenn notwendig in Konflikte einsteige. Dort wo es notwendig ist, werde ich den Konflikt nicht scheuen".
Sie selbst habe ja das Thema vor zwei Jahren in den Verhandlungen zum Arzneimittelpaket zur Sprache gebracht. Dass trotz Arzneimittelverordnung die Ausgaben für Medikamente gestiegen seien, sieht Rauch-Kallat in der alternden Bevölkerung begründet. "Wir wissen, dass Menschen vor allem in den letzten Lebensmonaten höchste Gesundheitskosten verursachen. Das wollen wir auch nicht in Frage stellen".
Dass beim Thema Geschenkannahme Verwaltungsstrafen bis 7.500 Euro bestünden und erst darüber hinaus eine strafrechtliche Verfolgung künftig möglich sein wird, beantwortete Rauch-Kallat damit, dass man in dieser Sache die Justizministerin fragen müsse. Außerdem sei bereits heute die Selbstverwaltung verpflichtet, Anzeige zu erstatten, wenn es um einen strafrechtlichen Tatbestand gehe.
Zuletzt hatte es massive Vorwürfe gegen Landärzte mit Hausapotheken und Pharmafirmen gegeben. Demnach sei es gängige Praxis, dass Ärzte von Pharmafirmen Gratis-Medikamente bekommen und diese dann den Krankenkassen verrechnen, hatte der Journalist Hans Weiss - Mitautor der "Bitteren Pillen" - gemeint. Etwa 40 Prozent der gesamten Medikamentenmenge in Österreich werde verschenkt. (apa/red)
