Mittwoch, 10. August 2005

42 Prozent halten EU-Beitritt für Fehler: Ein Viertel würde sogar den Austritt begrüßen

  • Noch nie haben so viele die EU in Frage gestellt!
  • Viele sehen zu starke Ausrichtung auf Wirtschaft

Zehn Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs ziehen offenbar immer mehr Österreicher eine negative Bilanz über die Mitgliedschaft in der Union: 42 Prozent der hiesigen Bevölkerung halten den Entschluss zum Beitritt aus heutiger Sicht für falsch, hat eine Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) ergeben, die in Wien vorgestellt wurde.

Das ist der höchste Wert, den die ÖGfE zu dieser Frage seit Beginn der Erhebung dieser Frage 1997 festgestellt hat. Nur eine knappe Mehrheit der Österreicher - 52 Prozent - sieht den EU-Beitritt im Nachhinein noch positiv. Mit Blick auf die heutige Situation sprechen sich 66 Prozent für einen Verbleib des Landes in der EU aus, dieser Wert hat sich seit der letzten Umfrage im Februar 2005 aber um sechs Prozentpunkte verringert.

Dass 19 Prozent davon die Beitrittsentscheidung trotzdem als falsch einschätzen, bezeichnete Gerhard Bauer, Generalsekretär der ÖGfE, als "Alarmsignal". Er unterstrich, nur die wenigsten Menschen sähen etwa persönliche Vorteile durch den EU-Beitritt.

27 Prozent für einen Austritt
Trotz der nachträglichen Negativ-Bewertung der Beitrittsentscheidung würden nur insgesamt 27 Prozent einen Austritt aus der EU befürworten. Aber auch bei dieser Frage zeigt sich mit einem Anstieg von vier Punkten im Vergleich zu Februar, dass die EU- Skepsis gestiegen ist. Grundsätzlich zeigen sich die Frauen EU- kritischer: Während 61 Prozent der Männer die Beitrittsentscheidung als richtig einschätzen, sind es 44 Prozent bei den Frauen.

Inhaltlich sehen die meisten Österreicher eine zu starke Ausrichtung auf ökonomische Themen: 82 Prozent meinen, die EU konzentriere sich zu stark auf die Wirtschaft und zu wenig auf die sozialen Bedürfnisse der Menschen. Grundsätzlich sei es nicht gelungen, die "Skeptiker von damals" zu Befürwortern zu machen, so der Kommentar des ÖGfE zu den Ergebnissen. (apa)

10.8.2005 12:35