Fusion zwischen T-Mobile und tele.ring ist praktisch fix: Abschluss noch bis Montag!
- PLUS: Steigen die Handy-Tarife jetzt wieder an?
- FORMAT: 12 Gehälter Abfertigung für die Mitarbeiter
·Steigen die Handy-Tarife jetzt wieder an?
Nach der Fusion wird eine
Marktberuhigung erwartet
·tele.ring-Besitzer: Geld für Mitarbeiter
FORMAT: Zwölf Monats-gehälter gibt es für jeden
·tele.ring-Verkauf: SP & Grüne mit Bedenken
Gegen Preiserhöhungen und Abbau von Jobs
·tele.ring: Betriebsrat droht mit Enthüllungen
"Maßnahmen in petto, die T-Mobile treffen werden"
·tele.ring: Chrono- logie des Speckjägers
tele.ring-Chef war zuvor Manager bei T-Mobile
·Vom Mäxchen zum Ableger von T-Mobile
Kurze Chronologie des Mobilfunkunternehmens

Der österreichische Mobilfunkmarkt erlebt die erste Fusion seiner Geschichte: Der viertgrößte heimische Mobilfunkanbieter tele.ring soll nach monatelangen Verhandlungen an die Nummer zwei T-Mobile verkauft werden. Bei der Muttergesellschaft von T-Mobile, der Deutschen Telekom, hat der Aufsichtsrat am Donnerstagnachmittag grünes Licht für die Übernahme gegeben. Der Aufsichtsrat habe einem Angebot für tele.ring zugestimmt, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag in Bonn. Die Betriebsräte befürchten nun, dass bis zu 1.000 Jobs am Spiel stehen.
Die Verträge zur Übernahme des österreichischen Mobilfunkanbieters tele.ring durch den Konkurrenten T-Mobile stehen "kurz vor der Unterzeichnung". Das hat T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl in einer Stellungnahme bekräftigt. Das Unternehmen geht nach wie vor von einer vertraglichen Fixierung des milliardenschweren Deals bis spätestens Montag aus.
Eine für Freitagvormittag angesetzte Pressekonferenz in Wien hat T-Mobile aber vorerst verschoben. Man wolle die Vertragsunterzeichnung abwarten und könne erst danach die Öffentlichkeit über die Details informieren, hieß es.
Pölzl gibt Entwarnung
Pölzl gab in der ZIB2 Entwarnung, was Kündigungen und Erhalt der Marke tele.ring betrifft. Zumindest bis Anfang nächsten Jahres werde sich hier sicher nichts ändern, dann allerdings müsse man sich Gedanken über Synergie-Effekte durch die Zusammenführung der beiden Konzerne machen. Ob und wie lange die Marke tele.ring und seine Tarife erhalten bleibe, wollte Pölzl nicht sagen.
Der T-Mobile-Austria-Chef wies die Zahlen, die in den letzten Tagen in Zusammenhang mit dem Jobabbau kolportiert wurden, als weit überzogen zurück, sprach aber auch hier von Synergieeffekten. In Bezug auf die Zahlungen von bis zu sechs Monatsgehältern für die Mitarbeiter von tele.ring wollte Pölzl nichts sagen, sei dies doch Sache von Eigentümer Western Wireless.
Kartellrechtliche Genehmigung bis Jahresende
Die kartellrechtliche Genehmigung und damit das endgültige Closing erwartet der T-Mobile-Manager noch heuer. Danach wird tele.ring in die T-Mobile Austria integriert. Scott Ford, Chef des US-Telekomkonzerns Alltel, der zu Wochenbeginn selbst den bisherigen tele.ring-Eigentümer Western Wireless übernommen hatte, erklärte am Donnerstag ebenfalls in einer Telefonkonferenz, dass der Verkauf des österreichischen Tochterunternehmens jedenfalls bis Jahresende abgeschlossen sein solle - auch wenn er sich noch nicht auf den Verkauf an T-Mobile festlegen wollte.
Bundeswettbewerbsbehörde will genau prüfen
Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) will den Verkauf genau prüfen. Es sei "notwendig, sich gerade diesen Fall sehr genau anzusehen", erklärte der Leiter der Wettbewerbsbehörde, Walter Barfuß, am Donnerstag in der "ZiB 1". Barfuß erwartet demnach, dass es auch zu einem Prüfverfahren vor dem Kartellgericht kommen wird.
Der Chef der österreichischen Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Georg Serentschy, hatte bereits zu Wochenbeginn in einem Interview mit der APA Auflagen für den Deal grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Deals dieser Art würden "generell immer einer strengen Einzelbetrachtung unterzogen", so Serentschy. Geprüft werde, ob durch den Verkauf der Wettbewerb gestärkt oder geschwächt werde. Untersucht würden außerdem sowohl wettbewerbs-, als auch frequenzrechtliche Fragen.
Strengere Auflagen - etwa eine Abgabe von Kunden - dürften aber wegen der beherrschenden Stellung der Telekom Austria nicht zu erwarten sein.
Kundenstock wächst um ein Drittel
T-Mobile weitet durch die Übernahme seinen Kundenstock in Österreich um ein Drittel auf rund 3 Millionen aus und rückt damit knapp an den Marktführer, die Telekom Austria-Tochter Mobilkom (A1), mit 3,3 Millionen Kunden heran. Der Erwerb ist die erste große Firmenübernahme der Deutschen Telekom seit VoiceStream (heute: T-Mobile USA) im Jahr 2000.
Absicherungsmodell für Mitarbeiter
Praktisch zeitgleich mit dem grünen Licht aus Deutschland für die Fusion haben sich Betriebsrat und Western Wireless am Donnerstag auf ein Absicherungsmodell geeinigt. Demnach wird es über die gesamte Belegschaft noch über den Zeitpunkt der Fusion hinaus eine mittelfristige Jobgarantie geben. Wie diese jetzt von Western Wireless gewährte Garantie auch noch unter einem neuen Eigentümer T-Mobile rechtlich weiterwirken kann, wird derzeit noch geprüft. Außerdem bekommt jeder Mitarbeiter - unabhängig davon, ob er vom neuen Eigentümer übernommen wird - bei Abschluss des Deals eine Einmalzahlung, die sich im Bereich um die sechs Monatsgehälter bewegen dürfte.
220 Jobs dürften verloren gehen
Laut Insidern dürfte die Fusion in den nächsten eineinhalb Jahren rund 220 Jobs kosten - das entspricht 10 Prozent der Gesamtbelegschaft von - in Vollzeitkräften - zusammen 2.200 Mitarbeitern. Der Betriebsrat dagegen fürchtet nach wie vor, dass bei dem Zusammenschluss in Summe bei den beiden Mobilfunkern und den Zulieferbetrieben bis zu 1.000 Jobs verloren gehen könnten.
Der praktisch fixen Fusion war abgesehen von den teils heftigen Protesten auch ein spektakulärer Verkaufspoker vorausgegangen, bei dem T-Mobile zwischenzeitlich bereits aus dem Rennen war. Neben den Deutschen hatten sich auch der drittgrößte österreichische Handynetzbetreiber One mit dem deutschen Energiekonzern E.ON im Hintergrund, die niederländische KPN sowie mehrere internationale Finanzinvestoren für tele.ring interessiert.
Eigentümer bestätigt Übernahme
Der jetzige tele.ring-Eigentümer Alltel bestätigt die Übernahme durch T-Mobile. Alltel strebe primär eine Einigung mit der Deutschen Telekom an, sagte der Präsident der US-Telekommunikationsfirma, Kevin Beebe, am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. (apa)
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