Mittwoch, 3. August 2005

Kampf um tele.ring: Betriebsrat droht Deutscher Telekom mit Enthüllungen!

  • "Maßnahmen in petto, die T-Mobile treffen werden"
  • Ägypter Sawiris als neuer Interessent im Gespräch

Im Arbeitskonflikt um einen Verkauf von tele.ring an T-Mobile Austria droht der tele.ring-Betriebsrat in einem offenen Brief an den Aufsichtsrat der T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom mit Enthüllungen, die auf Absprachen mit anderen Bewerbern hindeuten könnten. Und er warnt vor weiteren Maßnahmen von Seiten der Mitarbeiter: "Wir haben noch einige Maßnahmen in petto, die die T-Mobile in Österreich und Deutschland empfindlich treffen werden", heißt es in dem der APA vorliegenden Text.

Und weiter: "Wir wissen aus gesicherter Quelle, dass ein Konsortium ein höheres Angebot als Ihres legen wollte, aber an der Angebotsanlegung scheinbar kein Interesse bestanden hat. Wir haben die Erlaubnis, alle Einzelheiten dieses Angebotes an die Öffentlichkeit zu bringen, sollte es nicht akzeptiert werden. In diesem Falle würde klar werden, dass es vorab freundschaftliche Absprachen gegeben hat, die ein äußerst kritisches Bild auf die T-Mobile werfen könnten. VW hat ja in letzter Zeit gezeigt, wie schnell eine kleine Affäre große Auswirkungen haben kann."

Des weiteren weist der Betriebsrat darauf hin, dass ein Wegfall der Marke "tele.ring" ein Verlust wäre, wie das die Umbenennung von max.mobil zu T-Mobil gezeigt habe. Und er warnt vor der Hoffnung, dass alle tele.ring-Kunden zu T-Mobile wechseln würden. "Tausende Kunden haben uns angerufen, uns per SMS und E-mails geschrieben, dass sie eine Übernahme durch T-Mobile ablehnen und aus Protest den Vertrag kündigen werden, wenn es zur Übernahme kommt", so der Betriebsrat.

Er nimmt auch Bezug auf heimische Medienberichte, wonach die Mobilkom Austria das Festnetz und die technische Ausrüstung von tele.ring um kolportierte 100 Millionen Euro übernimmt, sobald das Geschäft mit T-Mobile über die Bühne gegangen ist. Dies sei in den Augen der Wettbewerbsbehörde und des Kartellgerichts wohl Grund genug, die Übernahme zu untersagen, mutmaßt die Belegschaftsvertretung.

Ägypter Sawiris als neuer Interessent im Gespräch
An dem zum Verkauf stehenden vierten Mobilfunkanbieter tele.ring soll nun auch der ägyptische Investor Naguib Sawiris Interesse angemeldet haben. Wie die "Presse" in ihrer Donnerstagausgabe unter Berufung auf tele.ring-Kreise berichtet, soll Sawiris bereit sein, mehr als die kolportierten 1,3 Mrd. Euro zu zahlen, die der Konkurrent T-Mobile geboten hat.

Sawiris ist Chef des ägyptischen Telekom-, Tourismus- und Baukonzerns Orascom und hatte erst im Mai den drittgrößten italienischen Mobilfunkbetreiber Wind erworben. Ob er noch eine Chance hat, tele.ring zu übernehmen, oder ob der Deal zwischen dem bisherigen tele.ring-Eigentümer Western Wireless und T-Mobile bereits unter Dach und Fach ist, war Mittwochabend allerdings fraglich.

Insider gehen davon aus, dass der Verkauf an T-Mobile noch diese, spätestens nächste Woche unterzeichnet werden könnte. Laut "Presse" sollen sich Western Wireless und auch die mit dem Deal betraute Deutsche Bank auf die Forderung Sawiris nach detaillierten Unterlagen zugeknöpft gezeigt haben.

Auch der Betriebsrat hatte zuvor, wie berichtet, in einem offenen Brief angedeutet, dass ein Konsortium ein höheres Angebot als jenes von T-Mobile legen wollte, "aber an der Angebotsanlegung scheinbar kein Interesse bestanden hat". Ob dieses Konsortium ident mit jenem von Sawiris sei, wollte der Betriebsrat am Mittwochabend auf APA-Anfrage nicht kommentieren.

(apa)

3.8.2005 18:11