Johnny Depp in "Charlie und die Schokoladenfarbik"

NEWS traf den Hollywood-Megastar zur Europa-Premiere seines neuen Blockbusters in London. Das Dream-Team Depp und Burton schuf ein bitterböses, furioses Fantasyspektakel, das durchaus familientauglich ist.
Er gilt als Legenden-kompatibelster Charismatiker Hollywoods seit James Dean. Ewiger Außenseiter mit Hang zu Hochprozentigem und schrägen Vögeln wie alternativer Familienvater, sanftes Sexsymbol und Kassenmagnet ersten Ranges in Personalunion, ist der feinsinnige Vorzeige-Exzentriker längst von einem Massenpublikum vereinnahmt Johnny Depp, 42.
Mit Regisseur Tim Burton verbindet ihn der Sinn für skurrilen, schwarzen Humor und eine vielfältige gemeinsame Hollywood-Historie. Nach Würfen wie Edward mit den Scherenhänden oder Sleepy Hollow kommt uns das kongeniale Dream-Team nun mit der Roald-Dahl-Verfilmung Charlie und die Schokoladenfabrik.
Mit 55,5 Millionen Dollar zum Startwochenende allein in den USA spielten sie sich nicht nur locker an die Spitze der sommerlichen US-Charts. Für Depp markiert dies einen Rekordwert, der sogar jene sensationellen 46 Mio. Dollar übertrifft, die sein Blockbuster Fluch der Karibik zum Start hereinspülte.
Teletubbies auf Drogen-Trip.
Die picksüß-skurrile Psychedelik-Extravaganza gemahnt an Klassiker wie Alice im Wunderland, optisch vermutlich teilinspiriert durch die wunderbare Welt der Teletubbies. Es wäre nicht Burton, müsste man nicht hinzufügen auf Ecstasy. Depp logiert darin wie ein Fleisch gewordener Mix aus Marilyn Manson und Tinky Winky. Manch Kritiker mutmaßte gar den Kindern übermäßig zugeneigten Barden Michael Jackson als Paten hinter Depps Performance.
Die Besetzung ist nobel: Neben Depp als Willy Wonka brilliert nach Finding Neverland wieder Freddy Highmore als Charlie. David Kelly (großartig in Ned Divine) ist dessen Opa, seine Mom Helena Bonham-Carter. Wonkas Vater: Christopher Lee. Tenor der Kritik: Burtons bester Wurf seit Jahren. Story: Schokofabrikant Wonka wirft via Gewinnspiel fünf goldene Tickets unter die infantile Weltbevölkerung. Die glücklichen Gewinner dürfen sich über eine persönliche Magical Mystery Tour mit dem Mastermind der Süßigkeiten durch dessen Lebenswerk freuen.
Charlie im Wunderland.
Der aus ärmlichsten Verhältnissen stammende Charlie wird von einer verhaltensoriginellen Truppe eskortiert: einem adipösen germanischen Fleischhauersohn, einem Kaugummi kauenden Eislaufkind, einer verwöhnten Mini-Paris Hilton sowie einem schießwütigen Videogame-Kid. Schon am Eingangstor dämmert uns, wohin die Reise geht, wenn der wunderliche Wonka auf die Vorstellung eines Girls repliziert, dies sei ihm völlig schnuppe.
Begeistert wird Wonkas wunderbare Welt erforscht, worin alles Sichtbare praktischerweise auch essbar ist. Vom Gras aus Zucker bis zum Wasserfall aus Schokolade. Drin tummeln sich kleine braune Heinzelmännchen, welche Wonka einst im Dschungel aufgabelte, um sie in seiner Fabrik malochen zu lassen. Die so genannten Oompa-Loompas sorgen dafür, dass die Kids auf dieser Tour de Force noch ihr blaues Wunder erleben
Burton verzichtete weitgehend auf den Einsatz von computerisierten Special Effects und setzte auf Handarbeit. Sets wie Fabrik oder auch Charlies Heimatstadt entstanden komplett im Studio. Für den Fluss inklusive Wasserfall aus Schokolade wurden etwa 200.000 Gallonen flüssiger Schokolade verbraucht.
Ein Aufwand, der selbst für Branchenveteranen bizarr anmutet. Kelly: Meine Standardantwort auf die Frage nach meiner Tätigkeit war: Ich rudere in einem pinkfarbenen Zuckerlboot auf einem Schokoladenfluss mit fünfzig Oompa-Loompas und Johnny Depp.
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