Mittwoch, 3. August 2005

‚Wir kämpfen wie Robin Hood‘

Spar-Boss Gerhard Drexel über den knallharten Kampf um Marktanteile und warum Spar um jeden Preis österreichisch bleibt.

NEWS: Spar betont regelmäßig, der letzte große Konzern im Lebensmittelhandel zu sein, der in österreichischem Besitz steht. Warum ist das für Sie so wichtig?
Drexel: Auf unsere Unabhängigkeit und Eigenständigkeit legen wir sehr viel Wert. Und wir sind auch ein wenig stolz, das einzige Lebensmittelhandelsunternehmen zu sein, das flächendeckend agiert und in österreichischem Besitz verblieben ist. Wenn ein Unternehmen die Konzernzentrale in Österreich hat, dann denkt es auch zuerst an Österreich. An die Kunden und Mitarbeiter in unserem Land, an die Lehrlinge und auch an Partner und Lieferanten. Darüber hinaus fördern wir die österreichische Wirtschaft, indem wir unsere österreichischen Lieferanten gerne auch im Ausland einlisten. Wenn wir neue Spar-Märkte im Ausland errichten, dann häufig mit österreichischen Architekten und Baufirmen.
NEWS: Zahlreiche Topmanager und Politiker halten es allerdings in Zeiten der globalen Wirtschaft für völlig irrelevant, in welchem Land die Konzernzentrale angesiedelt ist. Was antworten Sie dann?
Drexel: Dieses Denken halte ich für völlig falsch und kurzsichtig. Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig es für eine Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt ist, möglichst viele Konzernzentralen im Land zu haben. Konzernzentralen üben eine positive Saugwirkung aus: Sie sorgen für Wirtschaftswachstum und Innovation und schaffen Arbeitsplätze im Inland, anstatt Arbeitsplätze abzubauen oder sie ins Ausland zu verlagern. Wenn sie nur die Filiale eines amerikanischen oder britischen Konzerns sind, dann haben sie recht wenig zu sagen in Österreich.
NEWS: Gilt das Ihrer Ansicht nach auch für die Österreich-Töchter der deutschen Lebensmittelkonzerne?
Drexel: Darüber habe ich keine exakte Kenntnis. Ich weiß aber, dass etwa die Diskonter ihre Waren im Gegensatz zu uns vor allem aus dem Ausland beziehen.
NEWS: Spar forciert massiv Eigenmarken, zuletzt wurde die Bier-Marke Pittinger auf den Markt gebracht. Was steckt hinter dieser Strategie?
Drexel: Wir haben rund 1.000 Eigenmarken alleine in Österreich, der Anteil am Großhandelsumsatz beläuft sich auf 22 Prozent. In den nächsten Wochen starten wir mit zwei neuen Eigenmarken-Linien, spar office für Büro und Schule und Simpex für Klein-Elektrogeräte. Mit der eben eingeführten Windel-Eigenmarke „Pretty Baby“ haben wir einen großen Erfolg. Gerade an diesem Beispiel wird unsere Strategie deutlich: Wir wollen die Monopole der großen Markenartikelkonzerne brechen. Quasi in der Rolle des Robin Hood kämpfen wir darum, Topqualität zu deutlich reduzierten Preisen anbieten zu können.
NEWS: Der angenehme Nebeneffekt ist aber auch, dass bei Eigenmarken höhere Margen für Spar bleiben.
Drexel: Das stimmt in der Regel, aber die Produkte sind trotzdem bei gleicher Qualität deutlich günstiger.
NEWS: Sie sprechen von volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung, die bei Spar einen hohen Stellenwert hat. Bleibt da der Gewinn manchmal auf der Strecke?
Drexel: Gesellschaftliche Verantwortung und Gewinnerzielung sind kein Widerspruch. Hingegen halten wir gar nichts von einer Gewinnmaximierung nach dem Shareholder-Value-Prinzip. Das verleitet sehr häufig zu kurzfristigen Aktionen, die zu Lasten der langfristigen Unternehmensentwicklung gehen.

Das ganze Interview lesen Sie im neuen NEWS

3.8.2005 12:46