Sonntag, 7. August 2005

Im Alter von 78 Jahren: "Buena Vista Social Club"-Sänger Ibrahim Ferrer gestorben

  • Später Weltruhm für Kubaner mit markanter Stimme
  • Dokumentarfilm von Wim Wender brachte Erfolg

Der kubanische Sänger Ibrahim Ferrer ist tot. Das Mitglied des legendären Buena Vista Social Clubs starb am Samstag im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Im Juli war Ferrer noch beim Jazz-Festival in Montreux aufgetreten.

Mit dem Gitarristen Compay Segundo und dem Pianisten Ruben Gonzalez, mit Eliades Ochoa, Ry Cooder und Omara Portuondo schaffte die Band, die sich der traditionellen kubanischen Musik verschrieben hatte, in den 90er Jahren den internationalen Durchbruch, nicht zuletzt auch durch den preisgekrönten Dokumentarfilm "Buena Vista Social Club" des deutschen Regisseurs Wim Wenders. Mit Ferrer starb nach Compay Segundo und Ruben Gonzalez nun der dritte Musiker des populären Ensembles.

Ferrer hätte am 8. und 9. Oktober im Wiener Konzerthaus sowie am 10. Oktober in der Salzburgarena auftreten soll. Zuletzt war er im Oktober des Vorjahrs im Wiener Museumsquartier zu sehen.

Ferrer wurde am 20. Februar 1927 in Santiago de Cuba geboren. Mit zwölf Jahren wurde er zum Vollwaisen und schlug sich sich mit Gelegenheitsjobs durch, unter anderem als Zeitungsverkäufer oder Schuhputzer. Trotzdem beschäftigte er sich schon sehr früh mit Musik, seine Karriere begann mit 14 Jahren. Mit dem damals berühmten Orquesta Chepin-Choven hatte er 1955 einen ersten Hit, der ihm jedoch nicht zugeschrieben wurde. Auch in der Formation, der er sich danach anschloss, stand er im Schatten der Bandkollegen. In den 80er Jahren brachte er ein Album mit den Afro-Cuban All Stars heraus, bei denen auch sein Freund Ruben Gonzalez mitspielte, der im Dezember vor zwei Jahren starb.

1991 beendete Ferrer zunächst seine Karriere. 1996 gehörte er dann zu den Musikern, die Ry Cooder zum Buena Vista Social Club zusammenführte. Die Band brachte die so genannte Son-Musik - eine Mischung aus Salsa, Blues, Bolero sowie klassischen kubanischen Rhythmen wie Danzón, Guajira, Tumbao, Criolla - zur Blüte, die weltweit immer mehr Fans fand. Nicht zuletzt gewann die Band wegen ihres hohen Durchschnittsalters - der Jüngste, Eliades Ochoa, wurde 1946 geboren - bei allen Altersgruppen große Sympathien. Ferrer war neben der Sängerin Omara Portuondo und Ochoa die tragende Stimme des Ensembles. Ihr Song "Chan Chan" ist mittlerweile ein Synonym für kubanische Musik geworden.

Nach dem Tod von Segundo und Gonzalez war Ferrer immer häufiger solo aufgetreten, zuletzt am 10. Juli beim Jazz-Festival in Montreux. Erst vor wenigen Tagen war er von einer Europatournee in seine kubanische Heimat zurückgekehrt. Er soll sich in den vergangenen Tagen wegen eines Magen-Darm-Infekts ins Krankenhaus begeben haben.

Sein Leben im unerwarteten Ruhm nannte Ferrer einen Traum voller "bewegender Begegnungen". Als schönsten Tag seines Lebens bezeichnete er jenen, an dem er im Jahr 2001 von Kubas Staatschef Fidel Castro empfangen wurde. (apa/red)

7.8.2005 07:46

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