Scheich Reich: So herrscht Abdullah ibn Abdul Asis als neuer König in Saudi-Arabien
- FORMAT: Innerhalb Minuten um 100 Mrd. $ reicher
- Staatskasse & Geld der Königsfamilie nicht getrennt

·Saudiarabien: Neuer König inthronisiert
6. Herrscher: Feierliche Zeremonie für Abdullah
Am Tag, an dem sein Halbbruder starb, wurde der neue saudische König Abdullah ibn Abdul Asis innerhalb von wenigen Minuten um mehr als 100 Milliarden Dollar reicher. Denn kaum hatte die Todesnachricht von König Fahd die Weltöffentlichkeit erreicht, kletterte der Rohölpreis auf den Finanzmärkten um mehr als 50 Cent pro Barrel nach oben - bei einer geschätzten Reserve von mehr als 260 Milliarden Barrel, die in saudischem Boden lagern, machen selbst kleine Preissprünge ein gigantisches Vermögen.
Wenn man nur die Erdölreserven heranzieht, dann ist der neue König also der mit Abstand reichste Mensch der Welt - im 22-Millionen-Einwohner-Land gibt es nämlich keine Trennung zwischen dem Staatshaushalt und den Finanzen der Königsfamilie. Und so kontrolliert der 81-jährige Abdullah ab sofort ein mächtiges Wirtschaftsimperium.
Denn über die Jahre haben die Saudis mit ihren Petrodollars ein enormes Vermögen angehäuft, die Trennung zwischen Staat und dem Saud-Clan, der das Land seit der Staatsgründung beherrscht, ist dabei praktisch nicht vorhanden. So gilt etwa Alwaleed bin Talal, ein Neffe des neuen Königs, als zweitgrößter Investor der Welt. Am Computergiganten Apple ist er ebenso beteiligt wie an Euro-Disneyland in Paris, er kontrolliert Hotelketten wie Four Seasons und Mövenpick genauso wie Telekomunternehmen und Banken in Asien und Afrika.
Familie mit 20.000 Mitgliedern
Der saudische Herrscherclan ist dabei weit verzweigt. Rund zwanzigtausend Mitglieder hat die Familie, siebentausend davon werden im Rang eines Prinzen geführt - und sie alle leben von den Einkünften von Staat und Familie: ein Leben in Saus und Braus.
So erbt etwa der neue König von seinem Vorgänger nicht nur die stattlichen Residenzen in Riad und Medina, sondern auch insgesamt vier Domizile in Europa. König Fahd hatte nämlich Immobilien im spanischen Marbella, an der französischen Côte d'Azur und bei Versailles sowie am Genfer See erworben.
Dreihundert Begleiter auf Reisen
Vor allem in Marbella und in Genf hob deswegen nach der Todesnachricht das Wehklagen der örtlichen Geschäftsleute an. Denn wenn der König zu Besuch kam, dann folgte ihm stets eine dreihundertköpfige Entourage, die in den Luxushotels am Platz untergebracht wurde. Vier Millionen Euro setzten die Saudis bei ihren Europatrips in der Folge um - pro Tag.
Ob der neue Regent weiterhin dermaßen protzen wird, bleibt aber abzuwarten. Er gilt als eher zurückhaltend. Abdullah, der mit vier Frauen 22 Kinder hat, ist ein politisch versierter Mann. In den vergangenen zehn Jahren führte er als Kronprinz die Regierungsgeschäfte für seinen Halbbruder, in diese Zeit fal-len auch die ersten vorsichtigen Demokratisierungsschritte in Saudi-Arabien. Er gilt als wichtigster Verbündeter von US-Präsident George Bush in der Golfregion.
Bei seinen Auslandsreisen lässt sich freilich auch Abdullah nicht lumpen: Zu seinem Staatsbesuch nach Österreich reiste er 2004 mit 250 Mann Gefolge an. Als Gastgeschenk für Bundespräsident Thomas Klestil hatte er Dromedare und Pferde dabei.
Die Könige vom Golf: Was die Saudis weltweit besitzen
Das Privatvermögen des neuen Königs wird auf 45 Milliarden Dollar geschätzt - da in Saudi-Arabien Staatsvermögen und Privatausgaben des Herrscherhauses aber nicht getrennt werden, liegt es wahrscheinlich um ein Vielfaches höher. Und dabei legen die Saudis ihr Geld mittlerweile international im großen Stil an, vor allem Abdullahs 50-jähriger Neffe Alwaleed bin Talal. Er besitzt Hotels wie das Four Seasons in London und das Nobelhotel George V in Paris. An der weltweiten Four-Seasons-Kette hält er 22 Prozent, an der Mövenpick-Hotelkette sogar 33,3 Prozent.
Daneben sind im Besitz der Saudis 49 Prozent der Libanesischen Rundfunkgesellschaft, Minderheitsbeteiligungen an der Citigroup und Banken in Ghana, Nigeria und in Asien. Dazu kommen noch stattliche Aktienpakete bei Apple-Computers, AOL Time/Warner, Amazon, Hewlett-Packard, Ford und Motorola. In den vergangenen Jahren versuchen die Saudis aber primär, ihr Geld aus den USA in Richtung Europa zu verlagern.
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