Donnerstag, 4. August 2005

Spar-Boss Gerhard Drexel im NEWS-Interview: "Wir kämpfen wie Robin Hood"

  • Rot-weiß-rot: "Fördern die österreichische Wirtschaft"
  • Drexel hofft auf entspannteres Verhältnis zu Rewe

Spar-Boss Gerhard Drexel über den knallharten Kampf um Marktanteile und warum Spar um jeden Preis österreichisch bleibt.

NEWS: Spar betont regelmäßig, der letzte große Konzern im Lebensmittelhandel zu sein, der in österreichischem Besitz steht. Warum ist das für Sie so wichtig?
Gerhard Drexel: Auf unsere Unabhängigkeit und Eigenständigkeit legen wir sehr viel Wert. Und wir sind auch ein wenig stolz, das einzige Lebensmittelhandelsunternehmen zu sein, das flächendeckend agiert und in österreichischem Besitz verblieben ist. Wenn ein Unternehmen die Konzernzentrale in Österreich hat, dann denkt es auch zuerst an Österreich. An die Kunden und Mitarbeiter in unserem Land, an die Lehrlinge und auch an Partner und Lieferanten. Darüber hinaus fördern wir die österreichische Wirtschaft, indem wir unsere österreichischen Lieferanten gerne auch im Ausland einlisten. Wenn wir neue Spar-Märkte im Ausland errichten, dann häufig mit österreichischen Architekten und Baufirmen.

NEWS: Spar forciert massiv Eigenmarken, zuletzt wurde die Bier-Marke Pittinger auf den Markt gebracht. Was steckt hinter dieser Strategie?
Drexel: Wir haben rund 1.000 Eigenmarken alleine in Österreich, der Anteil am Großhandelsumsatz beläuft sich auf 22 Prozent. In den nächsten Wochen starten wir mit zwei neuen Eigenmarken-Linien, spar office für Büro und Schule und Simpex für Klein-Elektrogeräte. Mit der eben eingeführten Windel-Eigenmarke "Pretty Baby" haben wir einen großen Erfolg. Gerade an diesem Beispiel wird unsere Strategie deutlich: Wir wollen die Monopole der großen Markenartikelkonzerne brechen. Quasi in der Rolle des Robin Hood kämpfen wir darum, Topqualität zu deutlich reduzierten Preisen anbieten zu können.

NEWS: Ist es auszuschließen, dass Spar jemals einen ausländischen Partner hereinnimmt oder verkauft wird? Schließlich hat das Unternehmen einen Wert in Milliardenhöhe.
Drexel: Das schließe ich ganz dezidiert aus. Wir sind österreichisch und bleiben österreichisch.

NEWS: Spar kämpft gegen Rewe Austria seit Jahren erbittert um die Vormachtstellung auf dem heimischen Lebensmittelmarkt. Bis wann wollen Sie Rewe von der Spitze verdrängen?
Drexel: Wir sehen uns in einer guten Position, haben in den letzten Jahren ganz beträchtliche Zuwachsraten erzielt und waren in vier der vergangenen fünf Jahre der Wachstumsführer in Österreich. Wir sind sehr gut aufgestellt und ganz im Stillen im Bereich der Shoppingcenter zum Marktführer in Österreich aufgestiegen.

NEWS: Haben Sie das Ziel, die Nummer eins zu werden, aufgegeben?
Drexel: Dieses Ziel wurde uns immer in den Mund gelegt, wir haben das nie als Ziel definiert. Wichtig im Lebensmittelhandel ist es, im Marktanteil ganz vorne dabei zu sein. Ob Sie zwei oder drei Prozentpunkte mehr oder weniger haben, ist nicht matchentscheidend.

NEWS: Welches Verhältnis haben Sie zum mit Ende Juli ausscheidenden Rewe-Chef Veit Schalle?
Drexel: Da gibt es eigentlich kein Verhältnis. Unsere Kontakte beschränken sich auf gelegentliche Treffen bei diversen Branchenveranstaltungen.

NEWS: Hoffen Sie auf ein etwas entspannteres Verhältnis zum Erzrivalen, wenn die neue Rewe-Führung da ist?
Drexel: Ich glaube, dass es unter der neuen Führung durchaus eine Öffnung geben wird. Ich kann mir vorstellen, dass der neu zusammengesetzte Vorstand zu den verschiedenen Themen unserer Branche einen sachlicheren Zugang haben wird.

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4.8.2005 10:50