Dienstag, 2. August 2005

Verkauf der Bank Burgenland endgültig fix: Kovats erhält den Zuschlag für 110 Mio. Euro

  • Privater Investor gibt Bestands- & Job-Garantie
  • Nur 85 Millionen geboten: Keine Chance für Raiffeisen

Nach mehreren Anläufen hat die bisher im Landesbesitz stehende Bank Burgenland jetzt einen privaten Eigentümer: Der österreichische Investor Mirko Kovats übernimmt für insgesamt 110 Mio. Euro die Bank in zwei Etappen. Mehr als fünf Jahre nach Auffliegen des "Bank Burgenland-Skandals" im Juni 2000 beginnt damit eine Ära in der wechselvollen Geschichte der 1928 gegründeten größten Bank des Burgenlands.

Kovats setzte sich mit seinem Offert über 110 Mio. Euro gegen die ebenfalls interessierte Raiffeisen-Gruppe durch, die allerdings nur 85 Mio. Euro geboten hatte. Nicht zum Zug kamen auch eine britische Investmentgesellschaft sowie die junge litauische Snoras Bank, die 100 bzw. 95 Mio. Euro geboten haben.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (S) zeigte sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Eisenstadt "froh, dass eine österreichische Lösung mit Standortgarantie" gefunden worden sei, die Bank Burgenland bleibe damit als Regionalbank erhalten. Kovats kündigte am Mittwoch auch ein verstärktes Engagement seiner Firmengruppe A-Tec im Burgenland an.

Die unerwartet rasche Entscheidung über die Privatisierung der Bank erfolgte knapp vor den bevorstehenden burgenländischen Landtagswahlen am 9. Oktober. Die durch Landeszuschüsse - bisher flossen 240 Mio. Euro, weitere 150 Mio. Euro folgen - aufrechterhaltene Bank würde "noch einen Wahlkampf nicht aushalten", vermuten Beobachter.

Der Kauf der Bank Burgenland erfolgt etappenweise. Zunächst übernimmt Kovats nur 49 Prozent an der Bank. Erst im Jahr 2007 oder 2008 wird er auch die verbleibenden Anteile kaufen. Bis dahin sind Vertreter des Landes Burgenlands in den Leitungsgremien der Bank vertreten und können ein Vetorecht ausüben.

Kovats unterstrich, er plane keinen Personalabbau: "Es ist nicht geplant, bei den Personalkosten zu sparen". Vielmehr will er das Institut durch eine Ausweitung der Geschäftsbereiche wieder profitabel machen. Allerdings gebe es "viel zu tun". Kovats will etwa Effizienz (Cost-Income-Ratio - CIR) und Kundenservice verbessern. Erwirtschaftete Gewinne der Bank sollen zunächst nicht ausgeschüttet werden, sondern im Institut verbleiben.

Die Kaufverträge sollen in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Vorbehaltlich notwendiger Beschlüsse durch die burgenländische Landesregierung, den Landtag und der Zustimmung der Kartellbehörden soll die Transaktion bis Anfang September über die Bühne gehen.

Kovats kündigte Aktivitäten seiner A-Tec-Firmengruppe im Burgenland an, das er als "sehr interessante Grenzregion" bezeichnete. Investitionen in nicht genannter Höhe sollen in Forschung und Entwicklung erfolgen.

Die Bank Burgenland-Aktien sind laut Mitteilung der Wiener Börse am Mittwoch vom Handel ausgesetzt worden. Zuletzt war die Aktie am 22. April gehandelt worden - der damalige Kurs für die Bank Burgenland-Aktie lag bei 29,90 Euro.

Für Übernahme wird eigene Firma gegründet
Für die Übernahme der Bank Burgenland wird der österreichische Industrielle Mirko Kovats eine eigene Gesellschaft gründen. Dies erklärte eine Sprecherin des Investors am Mittwoch auf APA-Anfrage. Wie diese Gesellschaft heißen wird und wer dahinter steht, ist noch nicht bekannt. Dem Vernehmen nach dürfte Kovats aber den in Summe 110 Mio. Euro schweren Deal selbst finanzieren. Die Patronatserklärung läuft über Kovats' eigene M.U.S.T. Privatstiftung.

Die neue Gesellschaft ist bereits das dritte Beteiligungsunternehmen in der Kovats-Gruppe. Seine erste Firma war die A-TEC Industries, an der neben Kovats auch sein Kompagnon Ronny Pecik und Geschäftspartner Christian Schmidt beteiligt sind.

(apa/red)

2.8.2005 19:56