Montag, 1. August 2005

"Gravierende Meinungsunterschiede":
Peter Rabl tritt als Chef des "Kurier zurück!

  • Gemeinsame Erklärung mit AR-Präsident Konrad
  • Entwicklung des "Kurier" war Streitpunkt Nummer 1

Peter Rabl (57) tritt als Chef der Tageszeitung "Kurier" zurück. In einer gemeinsamen Erklärung mit Aufsichtsratspräsident Christian Konrad teilte Rabl am Montag mit, dass er seine Funktionen als Herausgeber und Chefredakteur des "Kurier" und als Geschäftsführer der "Kurier" Redaktionsgesellschaft aufgrund "gravierender Meinungsunterschiede" über die Entwicklung des "Kurier" in Verlags- und geschäftspolitischen Fragen zurücklege. Konrad und Rabl haben sich auf eine einvernehmliche Lösung des Dienstverhältnisses zum 30. September 2005 geeinigt.

Diese einvernehmliche Trennung habe absolut nichts mit der von Rabl bisher verantworteten und praktizierten Blattlinie zu tun, heißt es in der Erklärung. Dies dokumentiere sich in der Einladung Konrads an Rabl, als freiberuflicher Publizist weiter Leitartikler des "Kurier" zu bleiben. Rabl war seit März 1993 im Amt und damit der längstdienende Chefredakteur des "Kurier".

Andere Aufgabe oder "fröhlicher Frühpensionist"?
Der zurückgetretene "Kurier"-Herausgeber und Chefredakteur Peter Rabl hat nach eigenen Angaben noch keine fixen Pläne für seine Zukunft. "Ich werde schauen, was auf mich zukommt", sagte Rabl am Montag im Gespräch mit der APA. Auf jeden Fall werde er dem "Kurier" als "Leitartikler" erhalten bleiben. Wenn sich nichts anderes ergeben sollte, dann "bin ich im worst case ein fröhlicher Frühpensionist", so Rabl.

Rabl wird aber auch ehrenamtlich seine Funktionen als Präsident des Vereines "Kurier Aid Austria" (Hilfsaktion für Flutopfer in Sri Lanka) und als Obmann des Vereines zur Förderung der journalistischen Aus- und Weiterbildung weiter ausüben.

Wer seine Nachfolge antreten wird, konnte Rabl nicht sagen. Er habe auch keine Vorschläge dafür gemacht. "Ich regle nicht meine Nachfolge", sagte er.

Nicht näher kommentieren wollte er auch die von ihm als Grund für die Trennung angeführten "gravierenden Meinungsunterschiede". Gerüchte, wonach sein Plan, die Gesellschafts-Berichterstattung auszuweiten, ein Grund gewesen sein könnte, wies Rabl zurück: "Keine Rede davon".

Für den geschäftsführenden Chefredakteur des "Kurier", Christoph Kotanko, der nach eigenen Angaben "seit zwölf Jahren mit Rabl hart, aber herzlich zusammengearbeitet hat", liegt die Ursache für den Rabl-Rücktritt in unterschiedlichen Ansätzen der Eigentümer und des Herausgebers zur noch stärkeren Positionierung der Tageszeitung in Ostösterreich. "Über das Ziel herrscht Einigkeit, nur der Weg war umstritten", so Kotanko gegenüber der APA.

In der Frage der Rabl-Nachfolge zeigte sich der geschäftsführende Chefredakteur überzeugt, man werde eine "gute Lösung" finden, "die dem Kurier dient und seiner Philosophie entspricht". Das 1993 von Rabl entwickelte Konzept des "Tagesmagazins" werde "selbstverständlich weitergeführt".

"Präsident Konrad spricht dem scheidenden "Kurier"-Herausgeber für seine mehr als 12-jährige Tätigkeit an der Spitze der Zeitung Dank und Anerkennung der Gesellschafter aus", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Konrad und Rabl zur Würdigung von Rabls Arbeit.

(apa)

1.8.2005 12:19