Die Doppelpass-Orgie in NEWS: Toni Polster interviewt Herbert Prohaska zum 50er!
- Toni: "Macht dich dein Schnauzer zum Sexsymbol?"
- Schneckerl: "Du warst goschert und verwöhnt"
Die Schneckerln gingen, der Schnauzbart kam, der Mythos blieb: Herbert Prohaska, von heimischen Experten mit einem leisen Hauch von Wehmut zum "Jahrhundert-Fußballer" des verwichenen Säkulums geadelt, feiert am 8. August seinen 50. Geburtstag
Im großen NEWS-Interview, das dem hohen Anlass entsprechend ein gewisser Anton Polster führt, zieht Prohaska Bilanz über sein erstes halbes Jahrhundert, schildert, wie aus den X-Beinen des untersetzten Simmeringer Arbeiterkindes Österreichs begnadetste O-Beine wurden - und rechnet erstmals ungewohnt offen mit seinen Feinden ab.
Polster: Schneckerl, du bist 50 und bald zweifacher Opa. Ist Kinderwagerlschieben und Windelwechseln deine Zukunft?
Prohaska: Heutzutage muss man die Kinder ja nimmer wickeln, mit den neuen Plastikhoserln geht das ja alles ruck, zuck. Bei meinen eigenen Kindern habe ich's ja noch nicht zusammengebracht. Ich genieße es, Großvater zu sein, weil ich mein Enkerl viel öfter sehe als früher meine Töchter. Ich bewundere, dass Kinder ihre eigene Persönlichkeit haben und ihren Willen durchdrücken.
Polster: Schneckerl, du bist vom Körper her ja eher ein weißer Brasilianer ...
Prohaska: Wie bitte?
Polster: Nicht die Haare, sondern der drahtige Körper und dein Spiel. Hast du unter deinen Ahnen irgendwo eine Art Gymnastikweltmeisterin gehabt?
Prohaska: In meiner Familie hat keiner Sport gemacht. Aber da ich von meiner Geburt an zu X-Füßen geneigt habe, hat der Arzt gesagt, ich muss mich viel bewegen. Deswegen bin ich immer schon mit dem Ball'n dagestanden, wenn der Vater von der Arbeit heimgekommen ist.
Polster: Herbert, du nennst mich "verwöhnt und ein bisserl naiv". Los, sprich zu mir!
Prohaska: Ist ja logisch, du warst im Nachwuchs der Bomber, aufgrund deiner Leistungen wurdest du immer gelobt und warst dadurch verwöhnt - doch dann bist du zur Austria gekommen, wo du dich unterordnen musstest. Natürlich warst du zu dem einen oder anderen Älteren goschert, das wollten wir nicht. Die Jungen sollen noch nicht so viel reden, sondern sich zuerst raufdienen.
Polster: Wie hätte ich denn sein sollen? Ich bin mit 16 in die Mannschaft gekommen, habe im ersten Training ein Zuspiel vom Sara-Robert bekommen, und der Obermayer-Erich grätschte mich mit gestrecktem Fuß ab - wenn ich nicht zur Seite gesprungen wäre, hätte ich mir alles gebrochen. Und dann hat der Sara noch geschrien: "Wennst net g'scheit hingehst, wirst ka Haut mehr kriegen!" Da wusste ich, wie der Hase läuft und was ich zu tun hatte, um nicht unterzugehen.
Prohaska: Sag ich ja: Du warst goschert und verwöhnt - aber ich verstehe schon, dass du zurückreden musstest. Als ich mit 25 zu Inter gekommen bin und noch kaum Italienisch verstanden habe, hat mir unser Libero "Vaf- fanculo" nachgebrüllt, weil ich ihn nicht angespielt habe. Da habe ich den Dolmetscher das Trainingsmatch unterbrechen lassen und dem Kollegen ausrichten lassen, dass er seine Kinder oder seine Frau in den Culo schicken kann, wenn sie ihm das erlaubt, aber mir net. Seither hat mich keiner mehr beschimpft.
Polster: Wärst du gerne zu wem härter gewesen?
Prohaska: Wenn ich härter gewesen wäre, wäre der Herzog-Andi nicht zur WM nach Frankreich mitgefahren, weil er nicht fit genug war. Ihn damals mitzunehmen war eine falsche Entscheidung.
Polster: Schneckerl, du willst nie wem weh- tun. Bist du ein Feigling?
Prohaska: Aber nein, ich habe keine Angst, jemandem wehzutun. Aber wenn es mir schwer fällt, wem wehzutun, der mir nichts getan hat, dann hat das sicher nichts mit Feigheit zu tun.
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