Donnerstag, 4. August 2005

Geburtstagskind: Herbert "Schneckerl" Prohaska feierte seinen Fünfziger

  • Violette Legende: "Habe Fußball in meinem Herzen"
  • 'Schneck': "Begehe Geburtstag im Kreise der Familie"

Einer der begnadetsten Fußballer, den Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat, feierte am Montag ein rundes Jubiläum. Herbert Prohaska, am 8. August 1955 in Wien geboren, trat dem "Klub 50 plus" bei. "Diesen Geburtstag begehe im Kreise meiner Familie und engsten Freunde", sagte die rot-weiß-rote Legende. Ein gutes Essen und ein Gläschen guten Weins durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Prohaska, in dessen Adern violettes Blut fließt und der neben Größen wie Matthias Sindelar, Ernst Stojaspal und Ernst Ocwirk der "Hall of Fame" von Austria Wien angehört, hat sein einstiges Hobby zum Beruf gemacht. "Ich habe Fußball in meinem Herzen, verdanke alles diesem Sport, der für mich auch eine gute Lebensschule war", gestand das Geburtstagskind, das über den Sommer seine Erfahrung in Kinder-Camps weitergibt.

Könnte sich "Schneckerl", wie ihn ob der früheren Haarpracht die Anhänger liebevoll nennen, zum Festtag etwas wünschen, dann wären das drei Dinge. "Erstens gesund bleiben und keine Veränderungen, zweitens würde ich gerne nochmals Fußball spielen und drittens, dass möglichst viele Österreicher ins Ausland gehen. Davon würde unser Nationalteam profitieren. So war es auch zu meiner erfolgreichen Generation", antwortet der Italien-Fan offen und ehrlich.

Trainer-Comeback: "Kann es mir nicht vorstellen"
Als Spieler kann er das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen. Ist eine Rückkehr auf die Trainerbank denkbar? Dazu sagt der seit Dezember 1974 mit Elisabeth verheiratete Wiener: "Im Fußball kann alles passieren, ich kann es mir aber nicht vorstellen. Jedenfalls strebe ich das nicht an." Obwohl er als Feldherr, aber natürlich auch als Spieler "viel mehr schöne als bittere Stunden" erlebt hat. "Jedenfalls war auch das Negative wichtig für mich, denn es hat mich stets auf dem Boden der Realität gehalten."

Die steile Laufbahn Herberts begann so richtig in den Reihen von Ostbahn XI, als er als 15-Jähriger in der Ersten debütierte und etwas später in einem Testspiel gegen das Nationalteam große Vereine auf sich aufmerksam machte. Auf Grund des Verhandlungsgeschicks von Austria-Chef Joschi Walter wechselte der Techniker für ein Fixum von 3.000 S (218 Euro) und eine Siegesprämie von 1.500 S (109 Euro) zu den "Veilchen".

Meister mit Roma, Cupsieger mit Inter
Deren Dress trug er in zwei Abschnitten (1972 bis 1980 und 1983 bis 1989) insgesamt 15 Jahre. Dazwischen fielen Abstecher in sein Lieblingsland Italien. Zunächst übersiedelte Prohaska für zwölf Mio. S (872.074 Euro) zu Inter Mailand (Cupsieger) und 1982 für die gleiche Summe zur AS Roma, mit der er den ersten "scudetto" nach 41 Jahren feierte. Für ein Drittel der Ablöse ging er zurück zur Austria, wo er wieder Meister wurde.

Mit insgesamt 17 Titel, einem Europacup-Endspiel (1978), zwei WM-Teilnahmen (1978 dank seines "Spitz' von Izmir", 1982) und 83 Länderspielen hing er im Sommer 1989 seine Schuhe an den berühmten Nagel und wurde Trainer von Austria, des U21-Teams und ÖFB-Teams (51 Spiele) mit der WM-Fahrkarte 1998 als Höhe- und dem 0:9 in Spanien 1999 als Tiefpunkt. Im Mai 2000 war es mit dem Coachen vorbei, folgten Aufgaben wie Analytiker des ORF und Schirmherr der Red Zac Liga.

Die jüngsten Entwicklungen im heimischen Fußball registriert Prohaska mit Blickwinkel Heim-EM 2008 positiv. "Wir befinden uns auf gutem Weg. Dass auch vermehrt auf junge heimische Spieler gesetzt wird, ist ein Beweis für die gute Arbeit in der Red Zac Liga. Dort holen sich die Talente Praxis und können so den Sprung nach oben schaffen." Den Einstieg von Investoren wie Red Bull, Group32, IMG und zuletzt Siemens etc. zeige, "dass für gute Legionäre unser Fußball attraktiv ist".


HERBERT PROHASKA:
Geboren: 8. August 1955 in Wien
Größe/Gewicht: 1,80 m/82 kg (derzeit)
Spitznamen: "Schneckerl" und Berti (als Bub)
Familienstand: verheiratet (seit 1974 mit Elisabeth)
Kinder: zwei Töchter (Barbara/26 und Birgit/22)
Enkerl: Theo (3)
Sternzeichen: Löwe
Erlernter Beruf: Automechaniker

Spieler-Stationen:
Vorwärts XI, Ostbahn XI, Austria Wien, Inter Mailand, AS Roma, Austria Wien; insgesamt 17 Titel und 83 Länderspiele (41 Siege, 16 Remis, 26 Niederlagen - 129:90 Tore)
Trainer-Stationen:
Austria Wien (je zwei Mal Meister, Cupsieger, Supercup- und Stadthallen-Gewinner), U21-ÖFB-Team, ÖFB-Teamchef (51 Spiele: 25 Siege, 9 Remis, 17 Niederlagen - 96:73 Tore)

(apa)

4.8.2005 10:02