Sonntag, 7. August 2005

Grubenunglücke in China: 110 Bergleute finden wahrscheinlich unter Tag den Tod

  • Wassereinbruch in Kohlengrube: Kaum Hoffnung
  • Gasexplosion in Provinz Guizhou: 14 tote Kumpel

Nach zwei neuen Unfällen in chinesischen Bergwerken haben die Behörden den Tod von mehr als 110 Arbeitern befürchtet. Für 101 Kumpel in einem Bergwerk in der Provinz Guangdong bestand kam noch Hoffnung, nachdem große Wassermengen in einen Schacht gelaufen waren, wie ein Gemeindevertreter am Montag mitteilte. Rund 600 Rettungskräfte bemühten sich dennoch fieberhaft um das Abpumpen des Wassers. Bei einem weiteren Grubenunfall in der Nachbarprovinz Guizhou starben 14 Arbeiter.

Der Wasserspiegel sei bereits auf ein sehr hohes Niveau gestiegen, die Überlebenschancen der Eingeschlossenen seien deshalb gering, sagte ein Vertreter der Gemeinde Huanghuai in der Provinz Guangdong, auf deren Gelände sich das Bergwerk des privaten Unternehmens Daxing Colliery befindet. In dem Schacht befanden sich den Angaben zufolge zwischen 15 und 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Zudem ströme während der andauernden Rettungsarbeiten ständig weiteres nach, sagte ein Behördenvertreter der Provinz Guangdong. Bei den Rettungsbemühungen habe es keine echten Fortschritte gegeben, räumte er ein. Vier Arbeiter seien dem Unfall entkommen.

In dem Schacht des Bergwerks war es nach Behördenangaben am Sonntag in etwa 420 Metern Tiefe zu einem Wassereinbruch gekommen. Die Arbeiter befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch 60 Meter tiefer. Die staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Montag, in der Region sei kürzlich nach einem Unfall die Schließung mehrerer Bergwerke angeordnet worden. Ob das Werk Daxing dazu gehörte, vermeldete die Agentur nicht.

Nach der Explosion in dem Bergwerk in Liupanshui in der südwestlichen Provinz Guizhou würden zwei Arbeiter noch vermisst, meldete Xinhua. 23 Bergarbeiter hätten die Explosion am frühen Montagmorgen (Ortszeit) überlebt.

Chinesische Bergwerke zählen zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen der Welt. Bei Grubenunglücken kamen in der Volksrepublik im ersten Halbjahr 2005 bereits etwa 2.700 Arbeiter ums Leben. In keinem anderen Land sterben so viele Bergarbeiter wie in der Volksrepublik. Der enorme Energiebedarf der rasant wachsenden chinesischen Wirtschaft ließ den Preis für Kohle zuletzt stark ansteigen. Angesichts des Produktionsdrucks vernachlässigen die Bergwerkbetreiber oftmals die Sicherheitsvorschriften. (apa)

7.8.2005 18:32