Neue Gesprächsrunde: Irakische Politiker beraten über strittige Punkte der Verfassung
- Streitpunkte: Föderalismus, Stellung des Islam & Rolle der Kurden
- Weitere Selbstmordanschläge und Sprengfallen
Vertreter der verschiedenen politischen Lager im Irak sind am Sonntag auf Einladung der Regierung in Bagdad zusammengekommen, um über die künftige Verfassung zu beraten, deren Entwurf nach den bisherigen Planungen Mitte August dem Parlamentsplenum unterbreitet werden soll. Als Kernfrage gilt das Ausmaß der Föderalisierung. Vor allem die Kurden im Norden wollen ihre bereits errungene, weit gehende Selbstbestimmung behalten. Außerdem muss entschieden werden, welche Rolle die islamische Rechtsprechung spielen soll.
Mit Selbstmordanschlägen und Sprengfallen haben Aufständische den irakischen und amerikanischen Streitkräften erneut Verluste zugefügt. In Tikrit jagte am Sonntag ein Selbstmordattentäter vor einer Polizeiwache einen leeren Tanklastzug in die Luft. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden schwer verletzt. Unter den Opfern sind auch viele irakische Sicherheitskräfte.
In Samarra, nördlich von Bagdad, waren am Samstagabend zwei US-Soldaten getötet worden, als ein Sprengsatz in der Nähe ihres Konvois detonierte. Aus vorbeifahrenden Autos heraus wurden am Sonntag drei irakische Soldaten und zwei Mitarbeiter des Ölministeriums erschossen. In der Provinz Babil südlich von Bagdad wurden bei einem Autobombenanschlag am Samstag zwei Polizisten getötet.
Die Terrororganisation Al-Kaida im Irak warnte am Samstag die sunnitische Bevölkerung davor, an dem geplanten Verfassungsreferendum teilzunehmen. Dies wäre gleichbedeutend mit einem Verrat am Islam. Die sunnitischen Delegierten bei den Verfassungsberatungen blockierten eine Einigung mit der Ablehnung eines kurdischen Vorschlags, den Irak zu einem Bundesstaat zu machen. Über die Streitpunkte - neben dem Föderalismus die Rolle des Islam, die Beschreibung der nationalen Identität und die Teilhabe an Bodenschätzen und anderen nationalen Gütern - sollte am Sonntag weiter beraten werden.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte die Führung in Bagdad zur raschen Fertigstellung der neuen Verfassung aufgefordert. Irakische Parlamentsabgeordnete hatten zuvor erklärt, die USA und Großbritannien übten Druck aus, damit der 15. Oktober als Termin für die Volksabstimmung über die neue Verfassung eingehalten werde. Kurdische Abgeordnete hatten ein Optionsmodell gefordert, das die Möglichkeit für die kurdische Bevölkerung im Nordirak vorsieht, in acht Jahren in einem Referendum über die Unabhängigkeit abzustimmen.
Die konstituierende Nationalversammlung war Ende Jänner gewählt worden. Den Sieg hatte die konservative Schiiten-Allianz unter der Autorität von Großayatollah Ali al-Sistani davongetragen. Von den Sunniten waren die Wahlen mehrheitlich boykottiert worden. (apa)
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