Gewalt in Darfur hält unverändert an: Miss-handlungen von Flüchtlingen hören nicht auf
- Ärzte ohne Grenzen klagt Gewalt gegen Zivilisten an
- UNO: Zwei Millionen Menschen letztes Jahr vertrieben
Bei den Unruhen im Sudan, die nach dem Tod von Vizepräsident John Garang ausgebrochen sind, kamen in den vergangenen drei Tagen mindestens 130 Menschen ums Leben. Wie der sudanesische Rote Halbmond am Donnerstag mitteilte, wurden rund 350 Menschen verletzt. Allein in der Hauptstadt Khartum seien bis zum Mittwochabend 111 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Nord- und nichtmuslimischen Südsudanesen getötet worden.
Garang, erst seit wenigen Wochen Vizepräsident auf der Grundlage des Friedensabkommens zur Beendigung des langjährigen Bürgerkrieges, kam bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Als Unglücksursache gilt schlechtes Wetter. Nach der Bekanntgabe seines Todes kam es in Khartum und anderen Städten zu schweren Ausschreitungen. Garangs Südsudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) hat eine internationale Untersuchung der Unfallhintergründe gefordert. Die SPLM hatte zuerst im Staatsfernsehen ihre Anhänger aufgerufen, nicht an "Gerüchte" über einen Anschlag auf Garang zu glauben.
Tausende muslimische Sudanesen haben aus Furcht vor politischer Verfolgung den Süden des Landes verlassen. Augenzeugen berichteten am Mittwoch, dass in der Hochburg der SPLM, Juba, arabische und muslimische Bewohner mit Gewalt überzogen wurden.
Die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in den Flüchtlingslagern der westsudanesischen Konfliktregion Darfur (Darfour) hält unterdessen nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) unvermindert an. Allein in den vergangenen drei Wochen hätten Ärzte der Organisation im Krisengebiet 52 Menschen geholfen, die Verletzungen aufwiesen, welche auf Gewalteinwirkung zurückgingen, hieß es in einer am Mittwoch in Genf veröffentlichen Erklärung.
"Uns beunruhigen insbesondere das Andauern dieser Situation und die Folgen für unsere Patienten und ihre Familien", wird MSF-Präsident Rowan Gillies zitiert. MSF ist seit Dezember 2003 in Darfur anwesend. In den 32 MSF-Lazaretten in der Region arbeiten 180 ausländische und 3000 sudanesische Ärzte, Pfleger und anderes Personal.
Kämpfe zwischen regimetreuen arabischen Janjaweed-Reitermilizen und Rebellen hatten im Vorjahr in Darfur eine Flüchtlingswelle unvorstellbaren Ausmaßes ausgelöst. Nach UNO-Angaben wurden bis zu zwei Millionen Menschen vertrieben, davon mehr als 200.000 in den benachbarten Tschad. (apa/red)
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