Dienstag, 2. August 2005

Nach Tod von Vize-Präsidenten: Unruhen im
Sudan mit dutzenden Toten und Verletzten

  • Menschen glauben an Anschlag auf John Garang
  • Designierter Nachfolger Kiir ruft zu Zurückhaltung auf

Einen Tag nach der Bekanntgabe des Todes des sudanesischen Vizepräsidenten John Garang sind am Rand der Hauptstadt Khartum erneut Unruhen aufgeflammt. Nach Angaben von Augenzeugen kamen auch am Dienstag mehrere Menschen ums Leben. Die sudanesische Armee setzte Kampfhubschrauber ein. Am Vortag waren bei Unruhen mindestens 42 Tote und mehrere Hundert Verletzte zu beklagen. Die frühere Rebellenbewegung SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung) gab bekannt, dass ihr langjähriger Führer Garang am Samstag in Juba im Süden des Landes bestattet werden solle. Eine Trauerfeier in Khartum komme wegen der Unruhen nicht in Frage.

Die SPLM rief im sudanesischen Staatsfernsehen dazu auf, nicht an "Gerüchte" über einen Anschlag auf Garang zu glauben. "Es war ein Unfall", hieß es in der Erklärung. Viele junge Südsudanesen ließen sich jedoch nicht davon überzeugen. Tausende von Südsudanesen in Khartum strömten zu einem Hotel, wo Vertreter der SPLM Beileidsbekundungen entgegennahmen.

Der geschlossene Sarg Garangs befand sich zunächst in seiner Residenz in New Site, einem Ort im Südsudan nahe der Grenze zu Kenia. Von dort aus appellierte seine Witwe Rebecca an die Anhänger der SPLM, weiter für den Frieden einzutreten. "Seine Vision muss weiterleben", sagte sie. Eine Delegation der sudanesischen Regierung reiste nach New Site, um mit dem designierten Nachfolger Garangs, Salva Kiir, über die weitere Umsetzung des Friedensprozesses zu beraten. Der 54-jährige Kiir war lange Jahre Stabschef der Rebellenarmee SPLA und sowohl ein enger Vertrauter als auch ein Rivale Garangs. Im Unterschied zu Garang tritt er für eine völlige Abspaltung des Südens ein. Die Südsudanesen sollten "ruhig und friedfertig bleiben", sagte Kiir am Dienstag vor Journalisten in New Site.

Die USA entsandten eine hochrangige Delegation in den Sudan und riefen beide Seiten zur Besonnenheit auf. Garang war knapp einen Monat nach seiner Amtsübernahme als Vizepräsident am Samstag bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Nach offiziellen Angaben stürzte die Maschine wegen schlechter Sichtverhältnisse ab. Die sudanesische Regierung und die SPLM erklärten beide, an dem im Jänner unterzeichneten Friedensabkommen festzuhalten. (apa/red)

2.8.2005 10:59