Dienstag, 2. August 2005

EU-Außenkommissarin brüskiert Deutsche: Ferrero-Waldner gegen deutschen UNO-Sitz

  • "Vielleicht irgendwann ein Sitz für die ganze EU"
  • Betont hingegen Notwendigkeit von EU-Reformen

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hat einem Zeitungsbericht zufolge einen ständigen Sitz für Deutschland im UN-Sicherheitsrat abgelehnt. Entscheidend sei, dass alle großen Kontinente in dem Rat vertreten seien, sagte die Kommissarin der "Berliner Zeitung". Sie könne sich einen ständigen EU-Sitz im Sicherheitsrat vorstellen - zunächst zusätzlich zu den Vetomächten Großbritannien und Frankreich, aber "vielleicht irgendwann als einzigen" europäischen Sitz.

Wirklich wichtig seien allerdings organisatorische Reformen in anderen Bereichen der Vereinten Nationen. "Der Konflikt um Sitze im Sicherheitsrat sollte diese Diskussionen nicht überlagern", sagte Ferrero-Waldner mit Blick auf den Streit zwischen Deutschland und Italien über einen ständigen Sitz im Rat. Sie schlug vor, zunächst den G-4-Staaten - Deutschland, Japan, Brasilien und Indien - einen Sitz für fünf Jahre zuzusprechen. Anschließend könnten sie "in einer Art Rotation anderen großen Ländern ihrer Kontinente Platz machen".

Für wichtiger als die Ausweitung des Sicherheitsrates hält die EU-Kommissarin eine Neugliederung der UN in den Bereichen Friedensbewahrung und Menschenrechte. Die EU unterstütze den Vorschlag einer Kommission zur Friedenssicherung und wolle an allen Zusammenkünften dieses neuen UN-Gremiums teilnehmen. "Europa hat hier weltweite Erfahrungen, wenn Sie an Afghanistan, Kosovo oder auch Irak denken", und könne seine "enorme Expertise" einbringen, sagte Ferrero-Waldner.
(apa/red)

2.8.2005 08:42