Donnerstag, 4. August 2005

Mehr Zeit für sterbende Kinder: Hospiz-karenz bei Kindern auf 9 Monate verlängert

  • Einkommensgrenze für Zuschüsse wird angehoben
  • Meistens nehmen Frauen die Karenz in Anspruch

Die Familienhospizkarenz soll bei kranken Kindern künftig neun statt sechs Monate in Anspruch genommen werden können. Dies schlug Wirtschaftsminister Bartenstein vor. Weiters ist vorgesehen, dass die Einkommensgrenze für Zuschüsse von 500 auf 700 Euro angehoben wird.

In Anspruch genommen haben die Familienhospizkarenz bis Ende 2004 - also während der ersten zweieinhalb Jahre des Inkraftseins - nur 1.159 Personen. Diese Art von Karenz, die zur Pflege sterbender bzw. schwer kranker Angehöriger gedacht ist, wurde zu 84 Prozent von Frauen in Anspruch genommen, am intensivsten in der Altersgruppe 41- 50.

Probleme im Betrieb machte die Familienhospizkarenz für etwa 7,5 Prozent. Bei insgesamt 3,9 Prozent führten diese Schwierigkeiten in weiterer Folge zur Kündigung bzw. Entlassung. Nur ab Bekanntgabe der Karenz bis vier Wochen nach deren Ende besteht Kündigungs- und Entlassungsschutz.

Kinder brauchen längere Betreuung
Im Durchschnitt wurde die Karenz für eine Dauer von vier Monaten in Anspruch genommen. Das gesetzliche Limit von sechs Monaten habe sich in der Praxis daher als ausreichend erwiesen, argumentiert Bartenstein. Für die Betreuung von Kindern - immerhin rund 20 Prozent der Fälle - würde jedoch öfter der Bedarf für mehr als 6 Monate bestehen.

Für Zuschüsse aus dem Härteausgleich, der als Überbrückungshilfe während des Gehaltsausfalls dienen soll, möchte Sozialministerin Haubner zudem den festgelegten Grenzwert des Haushaltseinkommens (gewichtet pro Person) von 500 Euro auf 700 Euro erhöhen.

Nachteile am Arbeitsplatz
In der Evaluierung hatten 48 Prozent der Befragten gemeint, dass der Verdienstentgang und der fehlende Rechtsanspruch auf existenzsichernde Leistungen ziemlich oder sehr belastend gewesen seien. Die Sorge um mögliche Nachteile oder Verschlechterungen am Arbeitsplatz nach Ende der Familienhospizkarenz gaben 18 Prozent als schwierig an. (apa)

4.8.2005 11:27