Mittwoch, 3. August 2005

Studie zu Nikotin-Gehalt in Luft: Österreich schneidet überall am schlechtesten ab!

  • Experte: "Habe erste Werte nicht nicht geglaubt"
  • Die Tests wurden in mehren Ländern durchgeführt

"An der Bar, an der Bar, da stehen sie ja" - die Nachtschwärmer. Doch in Österreich bekommen sie da, selbst wenn sie Nichtraucher sind, einen gehörigen "Schuss" Nikotin ab. Besonders gilt das für die Beschäftigen. "Wir haben in den vergangenen Jahren im Rahmen eines EU-Projekts die Nikotinkonzentration in Österreich und mehreren EU-Ländern in Discos und Bars, Restaurants, Spitälern, Schulen und Universitäten untersucht. In Österreich wurden die höchsten Konzentrationen gemessen", erklärte Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien gegenüber der APA.

Am Beginn hatte Neuberger gar seiner Tochter bei deren Disco-Besuchen Luft-Sampler-Geräte mitgegeben. Der Experte: "Die ersten Werte konnte ich gar nicht glauben. Dann hat auch ihr Freund ein solches Gerät mitgenommen und hat die gleichen Werte gebracht."

Bereits publiziert wurden die Ergebnisse aus 527 Luftproben, die in Discos/Bars, Restaurants, Spitälern, Schulen und Universitäten in Österreich, Italien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Schweden und in Portugal gezogen wurden.

Ergebnisse:
* In Discos wurde in Österreich in der Luft durchschnittlich eine Nikotinkonzentration von mehr als 150 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft registriert. Das war der Spitzenwert, in Griechenland waren es etwa 100 Mikrogramm, in Schweden an die 140.

* Einsam an der Spitze standen die Durchschnittswerte in Restaurants, wo in Österreich 30 Mikrogramm Nikotin pro Kubikmeter Luft gemessen wurden. In Italien und Portugal waren es weniger als fünf Mikrogramm. Allerdings dürfte hier das Klima des Südens mit mehr offenen Türen und Fenstern zu den besseren Werten beigetragen haben.

* Ohne Vergleich stehen die Werte von zwölf Mikrogramm in österreichischen Spitälern da. Neuberger: "In Schweden gibt es eben nur noch völlig rauchfreie Spitäler." Da lässt sich kein Nikotin in der Luft finden.

* Auch in Schulen wurden mit etwa drei Mikrogramm Nikotin pro Kubikmeter Luft im Ländervergleich in Österreich Spitzenwerte registriert. Ähnlich war es mit fast zwölf Mikrogramm an den Universitäten, wo in Italien und Griechenland praktisch Konzentrationen gegen Null gemessen wurden.

Konzentration in Lokalen und Discos besonders hoch
Neuberger: "In Discos, Bars, Tanz- und Jugendlokalen ist die Belastung in Österreich mit Tabakrauch so hoch, dass eine akute Gefährdung von Gästen, zum Beispiel Asthmatiker und Koronarpatienten (Herzkranke, Anm.) nicht auszuschließen ist. Vor allem aber die Gesundheit des Personals ist durch die Langzeitbelastung gefährdet. Selbst bei Annahme einer im EU-Durchschnitt entsprechenden Tabakrauchbelastung an österreichischen Arbeitsplätzen errechnen sich mehr als 500 Herzinfarkte und eine ebenso große Zahl von Schlaganfällen. Dazu kommen noch die vorzeitigen Todesfälle an Lungenkrebs und Asthma, die auf unfreiwilliges Einatmen von Tabakrauch an österreichischen Arbeitsplätzen zurückzuführen sind."

Dem Experten sind aber besonders die Beschäftigten im Gastgewerbe ein Anliegen: "Wenn jemand regelmäßig vier Stunden bei Nikotinkonzentrationen von 100 Mikrogramm pro Kubikmeter tätig ist, kann das zu einer Erhöhung des Koronarrisikos um 75 Prozent führen." Gesunde, junge Discobesucher seien weniger gefährdet, doch Asthmatiker oder Personen mit Verengungen der Herzkranzgefäße könnten in einer solchen "Umwelt" sehr wohl Schäden davon tragen. Wichtig wäre es jedenfalls, die gesetzlichen Schutzregeln auch auf das Gastgewerbe auszudehnen.
(apa)

3.8.2005 14:40