Mittwoch, 27. Juli 2005

Formel Austria


Fährt 2006 kein Österreicher in der F1? Testvertrag von Alex Wurz bei McLaren läuft aus, Patrick Friesacher kämpft um Jordan-Testfahrer-Job, Christian Klien um sein Red-Bull-Cockpit.

Das schneidige Überholmanöver von Christian Klien, 22, in der schnellsten Energy- Drink-Dose der Welt gegen den temperamentslosen Ferrarista Rubens Barrichello riss zwar das Schumi-närrische F1-Völkchen im Motodrom von Hockenheim von den Sitzen. Dem Vorarlberger hat es das F1-Leben aber noch nicht verlängert. Und in der Red-Bull-Box war auch von einer prickelnden Atmosphäre wenig zu verspüren, als Helmut Marko, Sportchef des Austroteams, den Deutschland-GP mit steirischer Gelassenheit analysierte: „Das Auto war zwar gut, aber dass uns der Ralf Schumacher in der Box noch überholt hat, wurmt uns doch sehr.“ Er spielt damit auf seinen Nummer-eins-Piloten David Coulthard an, dem da mit Platz sieben ein zusätzlicher WM-Punkt beim Nachtanken flöten gegangen ist.
Zum zweiten RB-Racer, der mit Platz neun nur haarscharf an den karrierefördernden Zählern vorbeigeflitzt ist, fällt Marko erst auf NEWS-Anfrage ein bedeutungsschwerer Satz ein: „Der Christian fährt, wie ausgemacht, seine sechs Rennen. Danach gibt’s eine dreiwöchige Pause, in der findet eine Evaluierung der Gesamtsituation statt. Und danach wird entschieden.“

Ende des „Fahrerwechsels“.
Der Ungarn-GP kommendes Wochenende, von vielen herzig als neues Heimrennen der Österreicher verniedlicht, mutiert somit zur Schicksalsveranstaltung für den Vorarlberger. Denn wenn Klien auf dem langsamen Hungaroring keine exzellente Performance gelingt, stehen die Chancen für eine Vertragsverlängerung mit seinem Rennstall ungünstig. Dann kommt das berüchtigte Red-Bull-Rotationsprinzip wieder in Schwung, das Kliens Teamkollegen und internen Rivalen Vitantonio Liuzzi ins Cockpit hievt. Und der Italiener bliebe dann auch bis zum Saisonende im Rennauto sitzen. Denn, so Marko: „Noch einmal gedreht wird nicht mehr.“
Doch auch Klien, der übrigens einen sehr siegessicheren Eindruck macht, weiß: „Selbst wenn ich in Ungarn gewinnen sollte, muss ich dem Tonio noch einmal in dieser Saison Platz machen.“

Das Rennen, für das er am allerwenigsten gern seinen Platz räumen würde – Klien: „Am liebsten wär’s mir natürlich, wenn ich gar nicht mehr aussteigen müsst“ –, ist Spa. „Weil ich voriges Jahr Sechster geworden bin und weil ich dort sehr schnell unterwegs war.“ Eine ähnlich starke Leistung will Klien auch in Ungarn hinlegen, selbst wenn der dortige Ring den Dosenrennern nicht gerade entgegenkommt: „Dort gibt’s viele Bodenwellen, und unser Auto ist auf der Hinterachse ein bissl nervös. Aber seit letzter Saison ist mein Wagen deutlich verbessert worden, und ich rechne insgeheim sogar damit, so schnell wie in Hockenheim unterwegs zu sein.“

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27.7.2005 17:47