Mittwoch, 27. Juli 2005

Moretti über Risiken, Absturzgefahr und den harten Weg zu Grillparzer

Der bis dato Letzte, der das österreichische Lesebuchschrecknis auf die Bühne des Burgtheaters wuchtete, war Franz Morak. Als er den sich ins Maßlose überhebenden und ins Bodenlose stürzenden Volkskönig Premysl Ottokar absolviert hatte, überwältigte das Theater die Realität, und Morak wurde Politiker.

Nun steht „König Ottokars Glück und Ende“ wieder zur Diskussion, und zwar an zwei Außenposten patriotischer Selbstbehauptung: Die Premiere findet am 8. August bei den Salzburger Festspielen statt, und Martin Kusejs Inszenierung wird am 18. Oktober ans koproduzierende Burgtheater übernommen.

„Heil Habsburg“, ausverkauft.
Sämtliche Aufführungen auf der Perner-Insel sind ausverkauft, und dass das weniger mit Grillparzers knarzendem Königsdrama als mit dem Titeldarsteller zu tun hat, ist mehr als Vermutung: Tobias Moretti, 46, verkörpert das prähistorische absolutistische Monstrum, das im 13. Jahrhundert die Macht an den modernen Machtspieler Rudolf von Habsburg abgeben musste. Den legt Michael Maertens wesentlich widerwärtiger als gewohnt an, sodass die „Heil Habsburg“- und „Hoch Österreich“-Schreie des verzweifelten Anpasslers Grillparzer wie der schiere Aberwitz gellen sollen.
Für Moretti ist das Ereignis eine sturmumtobte Wegmarke auf dem Hochplateau, auf dem er seit Jahresfrist logiert. Seit er in der Spieldokumentation „Speer und Er“ zum Fürchten den „Führer“ gab, zählt er auch beim deutschen Feuilleton viel.

Mozart-Regie mit Harnoncourt. Demnächst wird er auch als Regisseur in den Adelsstand erhoben: An der Zürcher Oper inszeniert er „La finta giardiniera“, wobei das Noble nicht Mozarts Kinderwerk, sondern Nikolaus Harnoncourt am Pult ist. Moretti hatte sich zuvor in Bregenz mit „Don Giovanni“ eingeübt und ausgezeichnete Kritiken lukriert.

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27.7.2005 17:42