Ex-EZB-Präsident Duisenberg gestorben: 70-Jähriger in seinem Pool tot aufgefunden
- Ist laut Polizei nach Herzproblemen ertrunken
- Name "Mister Euro" wegen Verdienste um Währung
Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, ist tot. Der 70-Jährige ertrank nach Angaben der Polizei am Sonntag im Schwimmbad seiner Villa in Südfrankreich. "Er starb eines natürlichen Todes an den Folgen einer Herzschwäche", sagte Staatsanwalt Jean-Francois Sampieri.
Die Ehefrau Duisenbergs hatte die Polizei alarmiert. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos gewesen, hieß es. Duisenberg verbrachte seit Jahren regelmäßig Urlaubstage in seinem Haus bei Faucon nördlich von Avignon.
Der am 9. Juli in Heerenveen geborene Niederländer hatte die EZB von Mai 1998 bis Herbst 2003 geleitet. Während seiner Amtszeit wurde der Euro eingeführt, was Duisenberg den Beinamen "Mr. Euro" einbrachte. Klar zu erkennen war Duisenberg, der einen Ruf als Genießer hatte, an seinem markanten weißen Haarschopf. Sein Nachfolger als Präsident der EZB wurde der Franzose Jean-Claude Trichet.
Der französische Premierminister Dominique de Villepin würdigte Duisenbergs Verdienste um die Einführung des Euro. Der Niederländer habe sich dafür eingesetzt, den Euro zum "Motor des europäischen Aufbaus" zu machen, sagte Villepin. Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte: "Die Niederlande verlieren eine echte Persönlichkeit von internationalem Ruf." Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi bezeichnete Duisenberg als "Mensch mit außergewöhnlichen Qualitäten".
Duisenberg sammelte erste Erfahrungen als Wirtschaftsexperte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) von 1965 bis 1969. In der sozialistischen Regierung der Niederlande diente er von 1973 bis 1977 als Finanzminister. Ab 1982 leitete er 15 Jahre lang die niederländische Zentralbank. Lange Jahre vertrat er die Ansicht, dass Wirtschaftswachstum durch öffentliche Ausgaben gefördert werden sollte. Die Erfahrung von zwei Ölschocks brachte ihn jedoch zu einer Politik strikter Ausgabenkontrolle, was auch innerhalb seiner eigenen Partei zu Protesten führte.
Die EZB würdigte die bedeutende Rolle ihres ersten Präsidenten für den Aufbau in Europa. Duisenberg habe entscheidend an der erfolgreichen Einführung der neuen Währung mitgewirkt und Vertrauen in den Euro geschaffen, hieß es in einer Mitteilung in Frankfurt. Der EZB-Rat und alle Mitarbeiter der Zentralbank seien tief betrübt.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser zeigte sich vom Tod Duisenbergs tief betroffen. Die Verdienste für die europäische Einheitswährung des ehemaligen EZB-Präsidenten suchten ihresgleichen. "Der stabile Euro trägt unmittelbar die Handschrift Duisenbergs", erklärte Grasser gegenüber der APA über seinen Sprecher Thomas Schmid.
Der deutsche finanzminister Hans Eichel (SPD) hob Duisenbergs maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Aufbau der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion hervor. "Ich bedaure den überraschenden Tod von Wim Duisenberg außerordentlich", sagte Eichel in Berlin. Als erster Präsident der EZB habe er hervorragende Arbeit geleistet. "Er hat in dieser Zeit mit seiner ruhigen Art die so wichtige Vertrauensgrundlage für den Euro in der Bevölkerung mit geschaffen und gefestigt", betonte Eichel. Auch darüber hinaus habe Duisenberg einen außergewöhnlichen Ruf als Finanzexperte genossen.(apa/red)
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