Immer mehr Österreicher sind ohne Job: Arbeitslosigkeit im Juli weiter gestiegen!
- Exakt 210.895 Österreicher ohne Erwerbstätigkeit
- Plus 6,3%: Überdurchschnittlicher Anstieg bei Frauen!
·Arbeitslosenzahlen: SP-Kritik an Regierung
Bures: Kein Spitzenplatz in der EU für Österreich
·Arbeitslose: Statistik eine Schönfärberei
Kritik: Einstiegschancen
in Arbeitsmarkt fehlen
·D: Arbeitslosen-Zahl erneut gestiegen!
Im Juli 4,772 Millionen Menschen auf Job-Suche
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich hat sich im Juli weiter beschleunigt. Ende Juli waren 210.895 Personen als arbeitslos vorgemerkt, um 9.983 bzw. 5,0 Prozent mehr als Ende Juli 2004, teilte das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit mit. Die Arbeitslosenquote (nationale Berechnung, vorläufiger Wert) erreichte laut Arbeitsmarktservice (AMS) 6,0 Prozent und erreichte damit einen neuen Rekord-Wert für Juli (Vergleichszeitraum seit 1970).
Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) möchte die steigende Arbeitslosigkeit mit einem millionenschweren Beschäftigungspaket im Herbst bekämpfen, das ein Kombinations-Lohn-Modell sowie Qualifizierungsprogramme für Jugendliche und Frauen enthalten soll. Langzeitarbeitslose sollen durch eine Kombination von Aktivbezug und Arbeitslosengeld, insgesamt 1.000 Euro brutto, motiviert werden, in den Arbeitsprozess wieder einzusteigen.
Kritik am Kombilohn-Modell kam umgehend von der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ). Kombilöhne stellen laut AKNÖ-Präsident Josef Staudinger eine "Unternehmenssubvention" dar, die kaum zusätzliche Arbeitsplätze schaffe. Bündnissprecher Uwe Scheuch (BZÖ) kündigte an, das BZÖ werde den Wirtschaftsminister in den Verhandlungen mit dem Finanzminister über deutlich mehr Mittel für Beschäftigungsinitiativen tatkräftig unterstützen.
"Kanzler der Rekordarbeitslosigkeit"
Kritische Kommentare kamen auch von der SPÖ, den Grünen und der FPÖ. Für den geschäftsführenden SPÖ-Klubobmann Josef Cap ist Wolfgang Schüssel "der Kanzler der Rekordarbeitslosigkeit". Cap wirft Schüssel und Bartenstein vor, seit Jahren tatenlos dabei zusehen wie immer mehr Menschen arbeitslos werden. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures forderte eine Aufstockung der Gelder für die aktive Arbeitsmarktpolitik um 60 Mio. Euro jährlich.
Die FPÖ führt die Arbeitslosendaten hauptsächlich auf die EU-Osterweiterung und die EU-Wirtschaftspolitik zurück. Der neoliberale Wirtschaftskurs des Finanzministers und der "Hurra-EU-Patriotismus" der "schwarz-orangenen Bundesregierung" sei verantwortlich für dieses "Wirtschaftsfiasko", so FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache. Die Probleme seien hausgemacht, denn während in den meisten EU-Ländern die Arbeitslosigkeit sinke, steige sie in Österreich, erklärte Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen.
Plus 6,3%: Überdurchschnittlicher Anstieg bei Frauen
ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch fordert die Ankurbelung der Konjunktur durch eine Steuerreform für Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen sowie den Ausbau der Infrastruktur. Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel bekräftigte seine Forderung nach einem verbindlichen Investitionsprogramm in Infrastruktur und Bildung.
Die Arbeitslosigkeit ist im Juli besonders bei Frauen mit plus 6,3 Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. Bei Männern lag der Anstieg bei 3,8 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit nahm im Juli um 12,5 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres zu, die Arbeitslosigkeit der über 49-Jährigen um 1,4 Prozent.
In allen neun Bundesländern wurden im Juli mehr Arbeitslose registriert. Die stärkste Zunahme relativ gesehen verzeichneten Vorarlberg (+17,5 Prozent) und Tirol (+11,3 Prozent), gefolgt von Oberösterreich (+9,6 Prozent), der Steiermark (+8,8 Prozent), Kärnten (+8,7 Prozent), Niederösterreich (+4,4 Prozent), dem Burgenland (+4,3 Prozent) und Salzburg (+3,1 Prozent). Am geringsten fiel der Anstieg mit 0,3 Prozent in Wien aus, das erstmals seit August 2004 mehr Arbeitslose meldete.
Nach Branchen geordnet waren besonders Tourismus, Einzelhandel und Sachgüterproduktion von höherer Arbeitslosigkeit betroffen. Das Arbeitskräftepotenzial stieg, insbesondere auch durch den anhaltende Zustrom aus Deutschland: Ende Juni 2005 waren um 21,9 Prozent mehr Deutsche als im Vorjahr in Österreich beschäftigt. (apa/red)
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