Freitag, 29. Juli 2005

Neue Filialen und größeres Musikangebot: FORMAT über die Expansionspläne bei Libro

  • Heuer noch Eröffnung von bis zu zehn neuen Shops
  • Musikgeschäft: Libro hält 25 Prozent des Marktes

Leider habe ich André Rettberg nie kennen gelernt, aber es wäre schon interessant, mit ihm zu plaudern", sagt Libro-Geschäftsführer Martin Waldhäusl (im Bild links). Worüber er mit seinem Vorgänger, der sich bis vor wenigen Wochen in Amsterdam vor der Justiz versteckt hielt, unterhalten möchte, verrät Waldhäusl allerdings nicht. Tipps für die nächsten Wachstumsschritte der Papier-, Bücher- und Musikhandelskette wird er sich wohl kaum erhoffen. Immerhin hatte Rettbergs überzogener Expansionskurs Libro in die Pleite geführt, und Waldhäusl hatte in den vergangenen zweieinhalb Jahren alle Hände voll mit der Sanierung zu tun.

Anfang 2003 hatte der Industrielle Josef Taus mit Partnern die Libro-Kette um fünf Millionen Euro aus der Konkursmasse gekauft und laut Branchenschätzungen weitere vierzig Millionen Euro in den Neustart des Papierriesen gepumpt. Als Geschäftsführer setzte Taus zwei Newcomer ein: seinen Schwiegersohn Martin Waldhäusl, 38, und Werner Weber, 36. Unter kräftiger Mithilfe des Beraters Alois Czipin gelang der Turnaround. Waldhäusl: "Anfangs sah es so schlecht aus, dass wir fast selbst nicht an den Erfolg geglaubt haben." Heute hat Taus jedoch Grund, die neue Libro-Führung zu loben: "Bis jetzt machen wir einen guten Job."

Das im Februar abgelaufene Geschäftsjahr brachte ein Umsatzplus von elf Prozent auf 226,8 Millionen Euro und - wichtiger noch - mit einem Gewinn von rund vier Millionen Euro die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Das Geld kann Waldhäusl gut gebrauchen, zumal er nun große Expansionspläne hegt. Waldhäusl: "Libro soll das werden, was es zu Glanzzeiten war." Zusätzlich zu den bestehenden 208 Filialen werden in den nächsten fünf Monaten zehn weitere eröffnet, insgesamt soll Libro wieder auf bis zu 240 Standorte wachsen. Im Gegensatz zur Rettberg-Ära soll die Expansion aber von einer gesicherten Basis aus erfolgen. So hat die neue Libro-Führung ihre Hausaufgaben erledigt und etwa sechzig Filialen, darunter die beiden prominentesten Standorte in der SCS und auf der Mariahilfer Straße, von Grund auf erneuert. Waldhäusl: "Auf das Geschäft in Wien-Mariahilf bin ich besonders stolz."

Nachdem Berater Czipin das unter Rettberg auswuchernde Sortiment radikal gestrafft hat, will Waldhäusl nun ganz gezielt wieder ausbauen: "Vor allem unser DVD-Musikportfolio soll jetzt erweitert werden." Derzeit macht Libro etwa zwanzig Prozent seines Umsatzes mit Musik. Am heimischen Musikmarkt hält die Kette einen Anteil von etwa 25 Prozent, neben der Media-Saturn-Kette zählt Libro zu den größten CD-Händlern des Landes.

Die gesamte Story zur neuen Libro-Expansion finden Sie im aktuellen FORMAT!

29.7.2005 14:44