Donnerstag, 28. Juli 2005

Bierige Verwicklungen: Insider-Handel beim Verkauf der Brau-Union an Heineken?

  • Konzernchef Büche weist Anschuldigungen zurück
  • Regeln für Informationsweitergabe eingehalten

Brau Union-Chef Karl Büche hat den Verdacht auf Insider-Handel bei der im Jahr 2003 erfolgten Übernahme der österreichischen BBAG/Brau Union-Gruppe durch den niederländischen Bierkonzern Heineken zurückgewiesen. Die strikten Regeln im Unternehmen für die Informationsweitergabe seien eingehalten worden, stellte er in einem Interview mit dem ORF-Radio Oberösterreich fest.

Büche schloss aus, dass Familienmitglieder ihr Wissen für einen Insiderhandel benützt hätten, vor allem deshalb weil sie immer in die Holding investiert und nicht an der Börse spekuliert hätten. Grundsätzlich sei eine Finanz-Transaktion dieser Größenordnung selbstverständlich auf ihre Gesetzmäßigkeit und Rechtmäßigkeit von der Finanzmarktaufsicht (FMA) zu überprüfen. Von Seiten der Brau Union könne er sagen, dass gerade er persönlich sich besonders bemüht habe, während der Transaktion "peinlich genau" jede Rechts- und Gesetzesvorschrift einzuhalten.

Es gebe auch hinsichtlich der Informationsweitergabe sehr strikte Regeln innerhalb des Unternehmens und der Aufsichtsgremien und diese seien eingehalten worden. Die Finanzmarktaufsicht sei von der Brau Union in den vergangene Wochen und Monaten informiert worden. Über Sachverhaltsdarstellungen und weitere Schritte habe er bisher keine Informationen vorliegen.

Wurden Informationen weitergegeben?
Zu dem Einwand, die Erhebungen würden ja nicht gegen Personen in den Gremien laufen, sondern gegen Verwandte, die bisher nie an der Börse gehandelt hätten, erklärte er, er könne nur für sich persönlich und die Funktionäre der Brau Union sprechen, ob diese Informationen weitergeben hätten. Er gehe davon aus, dass dies nicht der Fall gewesen sei. Alles andere seien "Rechtsfragen und Rechtswürdigungen und Sachverhaltswürdigungen", die in einem eventuellen Verfahren durchzuführen seien. Er persönlich habe sich nichts vorzuwerfen.

Büche reagierte damit auf einen Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN), wonach die Staatsanwaltschaft Wien Vorerhebungen wegen Verdachts auf Insiderhandel eingeleitet habe. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verdachtes des verbotenen Insiderhandels im Zusammenhang mit der Übernahme des österreichischen Brau Union-Konzerns eingebracht.

Als Verdächtige namentlich angeführt seien in dieser Anzeige der FMA deutlich mehr als ein Dutzend Mitglieder der Eigentümerfamilien des Brau AG Konzerns, Beurle, Büche und Kretz, so die "ÖON". Sie sollen das Insiderwissen über den bevorstehenden Kauf der Brau Union durch Heineken in verbotener Weise für Aktienspekulationen genutzt haben. Knapp vor der Bekanntgabe des Heineken-Deals hätten die nun angezeigten Mitglieder der renommierten österreichischen Industriellenfamilien Aktien gekauft und unmittelbar danach mit zum Teil erheblichen Gewinnen wieder verkauft. (apa/red)

28.7.2005 15:02