Fußball-TV: Premiere will auch in Österreich
Exklusiv-Rechte für die Champions-League
- Kofler: Streben Modell wie in Deutschland an
·Premiere will keinen Konflikt mit dem ORF
Nur 'unterschiedliche Vor- stellungen' über Fußball
Der Pay-TV-Sender Premiere würde gerne auch für Österreich die TV-Rechte an der Fußball-Champions-League exklusiv erwerben. Die deutschen Rechte waren zuvor an den Abo-Sender gegangen. "Für Österreich streben wir ein vergleichbares Modell an", sagte Premiere-Chef Georg Kofler.
"Wenn es gut für den deutschen Fußball ist, kann es ja auch gut für den österreichischen Fußball sein", sagte er. Außerdem habe man mit dem Erwerb der Bundesliga-Rechte in Österreich "vor einem Jahr schon eine neue Phase der Zusammenarbeit begonnen, warum sollen wir diesen Weg nicht weiter beschreiten?"
Kofler wies auch Äußerungen des FC Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge zur Champions-League in Deutschland zurück: "Ich kann nicht verstehen wie man auf der einen Seite mehr Geld, gerade von uns, fordert und sich dann wundert, wenn eine Gegenleistung gewünscht wird", meinte er.
Rummenigge hatte kritisiert, die Fußball-Fans würden "in erpresserischer Weise zu Abonnements gezwungen". Kofler konterte: Mit solchen Wortmeldungen werde ein wichtiger Partner "diskreditiert". Premiere zahle viel für die Rechte und wolle als Gegenleistung eben "Exklusivität" für seine Kunden. Die Fußballverbände ließen sich das gut bezahlen. "Wer fordert denn am lautesten mehr Geld - der Herr Rummenigge", empörte sich Kofler und wurde dabei selbst recht laut. Nachsatz: "Jetzt muss ich aber aufhören, bevor ich mich in Rage rede."
Premiere will auch deutsche Bundesliga komplett
Die deutschen Fußball-Fans müssen sich auch bei der Bundesliga auf eine eingeschränkte und spätere TV-Berichterstattung im Free-TV einstellen. Einen Tag nach dem Erwerb sämtlicher Live-Rechte der Champions League sagte Premiere-Chef Georg Kofler der dpa: "Mir fällt kein Modell ein, bei dem für den Sport mehr erwirtschaftet werden kann." Werner Hackmann, Präsident des Ligaverbandes, meinte, alles sei vorstellbar. Karl-Heinz Rummenigge kritisierte den Komplett-Verkauf an Premiere.
"Es ist noch zu früh, aber das ist eines von mehreren Modellen", sagte Kofler und warb für die Pay- und Free-TV-Berichterstattung aus einer Hand: "Wir bieten das Modell mit den besten Erlöschancen." Zu den immer lauter werdenden Forderungen der Topvereine nach höheren TV-Einnahmen erklärte er: "Wenn die Bundesliga weniger Geld will, kann sie das bisherige Modell weiterfahren. Aber alle wollen mehr Geld - und das geht nicht mit Steuern oder Zwangsgebühren."
Eigener Free-TV-Sender von Premiere
Premiere wird ab 2006 die Top-Begegnungen der Champions League nur noch im Pay-TV zeigen und pro Spieltag eine der weniger attraktiven Partien in einem eigenen Free-TV-Sender. Erhielte
Premiere ein ähnlich umfangreiches Paket von der Bundesliga mit den Rechten für Livespiele und die Zusammenfassung, würde dies das Ende der jetzigen Sportschau bedeuten.
Ziel von Premiere ist die Verknappung des Bundesliga-Angebotes im frei empfangbaren Fernsehen und eine spätere Ausstrahlung, um die Attraktivität seines Stammgeschäftes im Bezahlfernsehen zu steigern und so die Zahl von 3,3 Millionen Abonnenten zu erhöhen. Der eigene Free-TV-Kanal, den Kofler nun kaufen oder neu aufbauen will, wäre dazu der passende Hebel. Mit dem Erwerb des kompletten Paketes für seinen neuen Free-TV-Sender bekäme er den notwendigen Handlungsspielraum.
"Nicht die Seele des Fußballs verkaufen"
Rummenigge kritisierte das Champions-League-Modell: "Wir müssen aufpassen, dass wir die Seele des Fußballs nicht verkaufen." Wenn das Top-Spiel des Spieltags nur im Pay-TV zu sehen sei, würden die Fans "in erpresserischer Weise zu Abonnements gezwungen". Er forderte erneut eine Steigerung der Bundesliga-Einnahmen von 300 auf 500 Millionen, sprach sich aber gegen ein ähnliches Modell wie in der europäischen Königsklasse für die Liga aus: "So lange ich im Aufsichtsrat der DFL sitze, werde ich eine solche Entscheidung nicht mittragen."
Kofler reagierte in Berlin heftig: "Ich lasse mir solche Dinge nicht gerne sagen. Wer fordert denn am lautesten mehr Geld? Das ist doch Herr Rummenigge." Die Gegenleistung dafür bestehe in der Exklusivität, dies sei das Marktgesetz.
Noch keine Details zum neuen Deal
Wie die neuen Bundesliga-Pakete im Detail aussehen, ist derzeit noch offen. "Wir werden eine saubere Ausschreibung machen und dann weitersehen", sagte Hackmann. Dass dann ein Unternehmen sowohl die Rechte für das Pay-TV als auch für das Free-TV erhalte, sei "durchaus denkbar". Anfang September solle ein Termin festgelegt werden.
Der Poker um die Rechte hat allerdings schon begonnen, hinter den Kulissen und öffentlich. So erklärte ARD-Programmdirektor Günter Struve der "Sport-Bild", dass sein Sender bereit sei, mehr Geld zu zahlen: "Sagen wir mal, es werden 20 Millionen Euro. Wenn wir 60 oder 65 Millionen zahlen müssten, haben wir das Spielgeld durch den Verzicht auf UEFA-Cup-Spiele."
Struve schlug zugleich eine Bieter-Gemeinschaft mit Premiere vor. Kofler replizierte, dies sei schon aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich.
(apa/red)
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