Donnerstag, 28. Juli 2005

Österreicher werden immer ärmer: Massiver Anstieg bei Zahl der Sozialhilfeempfänger

  • Steigerung auf über 100.000 im Jahr 2004 erwartet
  • Lebenshaltungskosten werden immer teurer

In den letzten Jahren ist es zu einem massiven Anstieg der Sozialhilfeempfänger gekommen. Das gaben Vertreter der Armutskonferenz bekannt. Waren es im Jahr 2000 noch 68.201 Personen so erhöhte sich diese Zahl bis zum Jahr 2003 um 41 Prozent auf 96.102. Ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Für 2004 wird ein Anstieg der Sozialhilfeempfänger auf über 100.000 erwartet.

Gründe dafür sind unter anderem die Steigerung der Lebenshaltungskosten für Wohnen und Energie, erläuterte Sozialexperte Martin Schenk. Weiters seien Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe auf Grund eines früheren geringen Einkommens oft nicht existenzsichernd. Daneben gebe es auch einen rasanten Anstieg von "working poor", also Arbeit von der man nicht leben kann. Bemerkbar mache sich auch die steigende Arbeitslosigkeit.

Schenk wies auch auf eine Reihe von Mängeln bei der Sozialhilfe hin. So müsse diese zurückbezahlt werden, wenn jemand wieder einen Job finde. Diese Regress-Praxis erweise sich als eine massive Armutsfalle, denn die Menschen würden danach meist nur über Jobs mit geringem Einkommen verfügen. Zudem verhindere diese Regelung auch den Anreiz einen Job zu finden. Schenk kritisierte auch die "undurchsichtige Richtsatzhöhe", die "beschämende Bedarfsprüfung" oder die mangelnde Krankenversicherung.

Nach Ansicht von Schenk wirkt die Sozialhilfe derzeit weder armutsbekämpfend noch armutsvermeidend. Deshalb habe die Armutskonferenz bereits ein Konzept vorgelegt, das "Mindestsicherungs ABC". Diese baut auf drei Säulen auf: Einer materiellen Mindestsicherung, die über der Armutsgrenze liegt. Weiters ein garantierter Zugang zu sozialen Dienstleistungen sowie die Verbesserung der Qualität der Arbeitsmarktpolitik. (apa)

28.7.2005 12:55