Donnerstag, 28. Juli 2005

DaimlerChrysler-Chef Schrempp betont nach Rücktritt: "Ich gehe freiwillig"

  • Rückzug von Mercedes-Boss Cordes gilt als sicher
  • Aufsichtsbehörde prüft wegen Insidergeschäfte

Nach der Rücktrittsankündigung von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp kommt der Autokonzern nicht zur Ruhe. Nach einem Bericht der "Automobilwoche" gilt nun auch der Rückzug von Mercedes-Chef Eckhard Cordes als sicher. Unterdessen wies Schrempp Spekulationen zurück, er sei zum Rücktritt gezwungen worden.

Der "Automobilwoche" zufolge könnte der designierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche für eine Übergangsphase auch die Führung der Konzernmarke Mercedes-Benz übernehmen, um einer Führungskrise vorzubeugen. "Zetsche wird voraussichtlich in Personalunion den Konzern und die Mercedes Car Group führen müssen, bis ein passender Cordes-Nachfolger gefunden wird", schreibt das Branchenblatt.

Angesichts der Spekulationen um die Gründe seines vorzeitigen Abgangs betonte Schrempp, der Rücktritt sei lange vorbereitet gewesen. Bei einem Gespräch mit vor einiger Zeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper sei man sich einig gewesen, "dass Ende des Jahres der günstigste Zeitpunkt für einen Führungswechsel ist", betonte Schrempp gegenüber "Focus".

Der Chef des größten deutschen Unternehmens hatte am Donnerstag völlig überraschend seinen Rücktritt zum Ende des Jahres angekündigt. Sein Nachfolger wird Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Cordes, der das Rennen um die Nachfolge verlor, hatte daraufhin dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten.

Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Börsenhandel mit DaimlerChrysler-Aktien hinsichtlich möglicher Insidergeschäfte im Vorfeld der Rücktrittsankündigung. In deren Folge war der Aktienkurs am Donnerstag zeitweise um mehr als zehn Prozent in die Höhe geschossen. Ein Sprecher der Vereinigung Kritischer Aktionäre DaimlerChrysler erklärte, er selbst sei bereits 12 Tage vor der offiziellen Bekanntgabe von Schrempps Rücktritt informiert gewesen.(apa/red)

28.7.2005 10:24