Die ungleichen Acht - Die Lebensläufe der mutmaßlichen London-Attentäter
- Fahnder rätseln über Herkunft und Hintergründe

·London-Attentäter legt Geständnis ab
Irak-Krieg als Motiv: Kein Kontakt zur Al Kaida
·Fataler Fehler der britischen Behörden?
USA wollten Drahtzieher vor Anschlägen verhaften
·In Attentäter-Auto
16 Bomben gefunden
Weist auf Existenz einer großen Terrorzelle hin
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Londonder Polizei sucht diese vier Personen
·Neuer Terroralarm in London: Die Ereignisse
CHRONOLOGIE: Rückblick
auf die neuen Attentate!
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Tage des Schreckens
·INFO-GRAFIK: Neue Anschläge in London
Wo die Sprengsätze am 21. Juli explodierten
·Neue Anschläge auch für London zu viel
Psychologische Wirkung für Menschen verheerend
Die Männer auf den Standbildern der Überwachungsvideos ähneln sich. Junge Männer sind zu sehen in weiten Hosen und Turnschuhen, manche mit Baseball-Kappen. Die Bilder zeigen die acht mutmaßlichen Attentäter von London - jene, die sich am 7. Juli in die Luft sprengten und jene, die das Gleiche zwei Wochen später tun wollten. Doch außer, dass sie äußerlich wie ganz normale junge Vorstadtbewohner aussehen, ist ihnen kaum etwas gemein.
Sie stammen aus Ostafrika, aus Zentralasien, aus der Karibik. Sie kommen aus zerrütteten Verhältnissen oder aus intaktem Elternhaus. Ihr Profil bleibt für die Ermittler völlig verschwommen - und dürfte nur wenige Schlüsse auf jene Menschen zulassen, die womöglich bereits neue Anschläge planen.
Bei manchen der Männer sind die Ermittler weniger überrascht, dass sie den Weg der radikalen Gewalt wählten. Muktar Said Ibrahim etwa saß bereits im Gefängnis. Der heute 27-Jährige kam im Alter von 14 Jahren mit seinem Eltern aus dem ostafrikanischen Eritrea auf die britische Insel. Mit 16 verließ er sein Elternhaus, beging bewaffnete Raubüberfälle, saß in mehreren Haftanstalten. Dort wurde er auch für radikale islamistische Ideen gewonnen. Am 21. Juli wollte er im Bus der Linie 26 eine Bombe zünden. Am vergangenen Freitag ergab er sich auf dem Balkon einer Londoner Wohnung der Polizei.
Yasin Hassan Omar, der zuletzt mit Ibrahim eine Sozialwohnung im Norden Londons teilte, wiederum war bisher nicht kriminell aufgefallen. Trotzdem hatte er eine schwierige Jugend hinter sich. Im Alter von elf Jahren kam er mit seiner Schwester aus Somalia nach Großbritannien. Schon bald aber lösten sich die Familienbande, Omar lebte bei mehreren Gastfamilien. Vor wenigen Jahren hatten ihn Sozialarbeiter als "verletzlichen jungen Mann" beschrieben. Ehemalige Schulkameraden erinnern sich an einen liebenswerten Jungen, der immer versuchte, die Menschen zum Lachen zu bringen. Omar soll versucht haben, sich in einer U-Bahn in der Station Warren Street in die Luft zu sprengen.
Über den dritten in Großbritannien gefassten mutmaßlichen Attentäter vom 21. Juli, Ramzi Mohammed, ist bisher kaum etwas zu erfahren. Dagegen ist die Biografie des Verdächtigen, der am Freitag in Rom gefasst wurde, bekannt. Auch Osman Hussein alias Hamdi Adus Issac war bisher nicht kriminell. Der Vater von zwei Kindern lebte aber in ärmlichen Verhältnissen. In den vergangenen Monaten war der aus Äthiopien stammende Mann in einem Obdachlosenheim untergekommen. Der mit einer Äthiopierin verheiratete Verdächtige flüchtete wenige Tage nach den Attentaten nach Italien, wo zwei seiner Brüder leben, die inzwischen ebenfalls festgenommen wurden.
Damit spiegelt das Attentäter-Quartett vom 21. Juli jenes vom 7. Juli wieder. Auch hier war die einzige Verbindung geografisch. Drei der vier Selbstmörder der tödlichen Anschläge stammten aus Pakistan, doch die Gemeinsamkeiten waren damit schnell zu Ende. Nicht nur, dass der der vierte Mann aus Jamaika kam. Auch die Hintergründe weichen ab: Der 22-jährige Shehzad Tanweer war ein stolzer Brite, liebte Cricket und wurde von den Nachbarn als liebenswert beschrieben. Der 30-jährige Mohammed Sadique Khan hatte die Universität besucht, arbeitete als Lehrer für Ausländerkinder. Der 18-jährige Hasib Mir Hussain wiederum galt als schwieriger Jugendlicher. Vor zwei Jahren soll er in der Religion neuen Halt gefunden haben.
Die Fahnder rätseln nicht nur, warum die jungen Männer jeweils radikalisiert wurden. Sondern auch, wer sie auf den Weg der religiösen Gewalt führte und ob die beiden Anschläge zentral koordiniert wurden. Gemeinsame Hintermänner der identischen Anschlagserien wären für die Polizei wohl die einzige Chance, ein Muster hinter Tätern und Taten zu finden - und neue Zellen aufzuspüren. (apa/red)
