Samstag, 30. Juli 2005

Schakfeh spricht ein Machtwort: Islam keine Rechtfertigung für Gewalt und Terror

  • Diktaturen sind eine Frage der Entwicklung
  • "Manchmal sehr arrogantes" Auftreten der USA

Anas Schakfeh, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, weist Darstellungen zurück, dass der Islam eine Rechtfertigung für Gewalt und Terror biete. Der Normalfall für den Islam sei ein Zusammenleben in Güte und Friedlichkeit, alles andere sei eine "Fehlinterpretation", sagte er am Samstag in der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast". Für Österreich sieht Schakfeh "keinerlei Hinweise" auf eine gewalttätige Radikalisierung.

Der Beitrag der Glaubensgemeinschaft gegen derartige Tendenzen sei es, aufklärend zu wirken und die Menschen vor Terror zu warten. Dies geschehe durch öffentliche Stellungnahmen, Gespräche mit Imamen und den Obleute der Moschee-Vereine sowie Jugendarbeit.

Nicht von der Religionsgemeinschaft anerkennt sei jener Imam, der mit Aussagen für Aufsehen gesorgt habe, dass er nicht an Demokratie glaube. Gesetze mache nur Gott, so Abu Mohammed. Die Zahl der nicht anerkannten Imame betrage in Österreich höchstens drei, so Schakfeh.

Der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft betonte zudem, dass die Aussagen Abu Mohammeds zur Demokratie inhaltlich ein "Riesenirrtum" seien. "Gott hat - so viel ich weiß - zum letzten Mal vor 1.400 Jahren gesprochen", so Schakfeh. Die Menschen bräuchten aber weiter gehende Regeln für das Zusammenleben als die damals dem Propheten Mohammed gegebenen.

Ein islamischer Staat wäre für Schakfeh demnach ein gerechter Staat. Eine Demokratie komme dem am nächsten: "Eine Demokratie, wo wirklich die Menschen solidarisch sind und ihre Angelegenheiten in Beratung erledigen, wie es im Islam heißt."

Schakfeh verwahrt sich auch dagegen, die Diktaturen in islamischen Staaten in der Religion begründet zu sehen: "Das ist eine Entwicklungsfrage. Und nicht die Frage des Islams oder der Religion." Auch in Europa seien die letzten Diktaturen - Griechenland, Spanien, Portugal - noch nicht einmal 20 oder 25 Jahre her.

Den Palästina-Konflikt sieht Schakfeh als eines der Kernprobleme hinter der Radikalisierung von Muslimen. Ein Problem sei vor allem die "uneingeschränkte Parteinahme" der USA für Israel. Überhaupt wirft er den USA ein "manchmal sehr arrogantes" Auftreten vor. (apa/red)

30.7.2005 13:13