Freitag, 29. Juli 2005

Fünfter Rucksackbomber festgenommen? Terrorist ging Fahndern in London ins Netz

  • Vier Attentäter in England und Rom geschnappt
  • Scotland Yard warnt: "Die Drohung besteht weiter"

Die Polizei hat laut Medien bei ihrer erfolgreichen Jagd nach den "Rucksack-Bombern" von London auch einen fünften Terroristen festgenommen. Wie Zeitungen und Rundfunksender berichteten, gingen den Fahndern in der britischen Hauptstadt nicht nur zwei der zuvor auf Bildern öffentlich gezeigten mutmaßlichen Attentäter von 21. Juli ins Netz, sondern noch ein weiterer Mann. Die Terrorgefahr in London ist aber trotz der jüngsten Fahndungserfolge nicht gebannt. "Wir dürfen nicht selbstzufrieden sein", sagte der Chef der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard, Peter Clarke. "Die Drohung besteht weiter und ist sehr real."

Unter Berufung auf Polizeiquellen handelt es sich um Whabi Mohammed (23). Er ist der Bruder des Rucksackbombers Ramsi Mohammed, der ebenfalls am Freitag festgenommen worden war. Seit Tagen gab es in Großbritannien Spekulationen um einen fünften Bomber, nachdem vor einer Woche in einem Gebüsch in London ein Rucksack entdeckt worden war, der einen Sprengsatz enthielt. Offiziell bestätigte die Polizei dies zunächst nicht. Bei Scotland Yard hieß es jedoch, der dritte am Vortag Festgenommene sei von "bedeutendem Interesse".

Spektakuläre Festnahmen
Der Fernsehsender ITV zeigte am Abend exklusive Amateuraufnahmen von der Festnahme. In Rom ging den Fahndern nach Angaben des italienischen Innenministers Giuseppe Pisanu der letzte noch flüchtige mutmaßliche Rucksackbomber ins Netz.

Die Spur des vierten Attentäters führte über Paris und Mailand nach Rom. Bereits seit Tagen sei der Somalier Osman Hussein (27) beschattet worden. Italienische Spezialfahnder hätten ihn gestellt, als er versucht habe, bei einem Bruder am Stadtrand von Rom unterzukommen, sagte Pisanu.

Der am Freitag festgenommene mutmaßliche Attentäter hat nach italienischen Presseberichten ein Geständnis abgelegt. Er habe im Verhör seine Beteiligung an den Anschlägen in London gestanden, berichtete die Zeitung "La Repubblica". Ziel der Aktion sei es gewesen, "Terror zu verbreiten". Es habe aber niemand getötet werden sollen. Nach Rom sei er gekommen, weil er in der Stadt Freunde habe, bei denen er wohnen konnte, sagte der 27-Jährige demnach aus. Über möglicherweise in Italien geplante Anschläge sei ihm nichts bekannt.

Großeinsatz in London
Bei der Fahndung nach den Attentätern vom 21. Juli nahm die Polizei in London unter dramatischen Umständen bei mehreren gleichzeitigen "sehr wichtigen" Operationen im Westen der britischen Metropole nach eigenen Angaben insgesamt drei Verdächtige fest. Zwei von ihnen waren mutmaßliche Terroristen, die Mitte Juli dabei gescheitert waren, ihre Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zu zünden. Es handelt sich nach den Angaben um Muktar Said Ibrahim und Ramsi Mohammed.

Mit Maschinenpistolen, Gasmasken und kugelsicheren Westen ausgerüstete Polizisten hatten unter anderem einen Wohnblock im Stadtteil Notting Hill abgeriegelt und eine Wohnung umstellt. Es waren mehrere Explosionen und Schüsse zu hören. Im Fernsehen waren Stimmen von Polizisten zu hören, die in die umstellte Wohnung riefen: "Muhammad, komm' aus der Wohnung." Muktar Said Ibrahim wird auch Muktar Muhammad Said genannt. Der 27-Jährige kam als junger Mann aus Eritrea nach Großbritannien.

Am Mittwoch war als erster der mutmaßlichen Attentäter Yasin Hassan Omar (24) in Birmingham überwältigt worden. Der gebürtige Somalier lebte seit vielen Jahren legal auf der britischen Insel.

(apa/red)

29.7.2005 14:22