Samstag, 30. Juli 2005

Schlägerei mit Saddam: Hussein wurde
vor Gericht von Unbekanntem attackiert

  • Jetzt will Ex-Dikator das Tribunal boykottieren
  • Noch kein Termin für Prozessbeginn festgesetzt

Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein wird nach einem tätlichen Angriff auf ihn nach Angaben seiner Anwälte das Tribunal boykottieren, das über ihn befinden soll. Wie sein Anwaltsteam am Samstag in Amman erklärte, soll Saddam nach einer Anhörung im Gericht von einem Unbekannten tätlich angegriffen worden sein.

Der Unbekannte sei am Donnerstag auf Saddam losgegangen, als dieser gerade den Gerichtssaal verlassen wollte. "Der Mann und der (Ex-)Präsident schlugen sich gegenseitig", hieß es in einer Erklärung weiter. Der Vorsitzende des Gerichts habe nichts gegen den Angreifer unternommen, und der wachhabende amerikanische Offizier sei ebenfalls trotz Aufforderung der Verteidigung nicht eingeschritten.

Saddam werde das Tribunal künftig "boykottieren", bis ihm Zugang zu einem Rechtsbeistand durch Experten für internationales Straf- und Menschenrecht gestattet werde, hieß es weiter. Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest. Nach früheren Angaben seiner Verteidiger könnte ein erstes Verfahren im Herbst beginnen. Dabei geht es auch um ein von Saddam nach einem Mordanschlag angeordnetes Massaker 1982 in dem schiitischen Dorf Dejeel nördlich von Bagdad.

Saddam Hussein wurde im April 2003 von US-geführten Truppen gestürzt und war anschließend untergetaucht. Ende 2003 wurde er von US-Soldaten gefasst. Seitdem sitzt er in Haft. Ihm und elf seiner engsten Vertrauten soll auch wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Prozess gemacht werden.

Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari hatte erklärt, die Regierung werde keine internationale Einflussnahme auf den geplanten Prozess dulden. Die US-Regierung soll hinter den Kulissen versucht haben, den Prozessbeginn hinauszuzögern, weil sie mit einer Verstärkung der Aktivitäten von Aufständischen rechnet. Der irakische Vizepräsident Adil Abdul Mahdi hatte erklärt, es gebe sowohl im Irak als auch aus dem Ausland "Druck" auf die Regierung mit dem Ziel, den Prozessbeginn aufzuschieben. Die Amerikaner haben sich von einigen Kreisen im Irak den Vorwurf eingehandelt, dass sie befürchteten, Saddam Hussein könnte vor Gericht Geheimnisse preisgeben, die für Washington unangenehm wären. (apa/red)

30.7.2005 13:25