Soll sich Haager Tribunal stellen: Karadzic' Frau fordert ihren Mann zur Aufgabe auf!
- Ljiljana Karadzic: "Zum Wohle seiner Familie"
- Positives internationales Echo auf die Aktion
Die Frau von Radovan Karadzic hat den früheren bosnischen Serbenführer aufgefordert, sich dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu stellen. Ljiljana Karadzic sagte am Donnerstag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP, er solle dies zum Wohle seiner Familie tun, die von allen Seiten unter Druck gesetzt werde. Karadzic hatte sich in den vergangenen zehn Jahren nie von ihrem Ehemann distanziert.
Vor einer Woche hatte sie in einem Zeitungsinterview erklärt, sie kenne den Aufenthaltsort des 60-Jährigen nicht. Karadzic wurde vom Haager Tribunal wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 angeklagt. Er ist seit zehn Jahren untergetaucht. Es wird vermutet, dass er sich im serbischen Teil Bosniens aufhält. Auf Hinweise zu seiner Ergreifung ist eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (4,13 Mio. Euro) ausgesetzt.
NATO begrüßt Aufruf
Die NATO hat den Aufruf der Frau des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic an ihren Mann, sich freiwillig der Justiz zu stellen, begrüßt. Dies falle zu Gunsten ihrer Familie und des ganzen Landes aus, sagte der Befehlshaber der NATO-Truppen in Bosnien, Steven Schook, am Freitag in Sarajevo. Trotzdem werde die NATO die Suche nach angeklagten Kriegsverbrechern "intensiv" fortsetzen, erklärte der General weiter.
Belgrad von Aktion nicht überrascht
Das offizielle Belgrad hat sich über den Appell von Ljiljana Zelen-Karadzic an ihren Mann, Radovan Karadzic, sich zu stellen, nicht überrascht gezeigt. Dies sei nichts Ungewöhnliches, meinte der serbisch-montenegrinische Verteidigungsminister Prvoslav Davinic. Karadzic wurde vom UNO-Tribunal in Den Haag vor zehn Jahren wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der bosniakischen und kroatischen Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas angeklagt. Karadzic musste im Sommer 1996 seine Ämter niederlegen. Kurz danach war er untergetaucht.
(apa)
