Donnerstag, 28. Juli 2005

Riskante Reparatur im Weltall: Leben des Astronauten hängt an einem Roboterarm!

  • NASA: Erfolg der Mission nur schwer abzuschätzen
  • PLUS: Die besten BILDER des Weltraumabenteuers!

Bei einer in ihrer Tragweite einmaligen und riskanten Reparatur will die NASA heute die Raumfähre Discovery wieder in Stand setzen, bevor sie zur Erde zurückkehrt. Ein an einem Roboterarm hängender Astronaut soll die Schäden an dem Shuttle händisch reparieren. Der Erfolg der Mission ist aber schwer abzuschätzen. Die Arbeit könnte sich unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und der hohen Geschwindigkeiten im All als äußerst schwierig erweisen.

Astronauten haben bei all ihren Außenbordeinsätzen noch nie die Unterseite einer Raumfähre im All inspiziert und auch noch nie während eines Fluges am Hitzeschild gearbeitet. Beobachtern zufolge besteht die Gefahr, dass bei diesem Pioniereinsatz Fehler gemacht werden könnten, was die Situation verschlimmern würde.

Beim Start der Discovery waren mehrere Isolierungsstücke vom Tank abgerissen und hatten vermutlich die Unterseite beschädigt. Zwischen den Hitzekacheln herausragendes Füllmaterial soll nun entfernt werden, weil die Ingenieure befürchten, dass es den Schutzschild der Raumfähre beim Eintritt in die Erdatmosphäre gefährlich beeinträchtigen könnte.

Die NASA habe lange Untersuchungen angestellt, sagte Wayne Hale, ein Vertreter der Raumfahrtbehörde. Letztlich gebe es große Ungewissheiten, weil niemand die aerodynamischen Kräfte "in dieser Höhe und bei diesen Geschwindigkeiten" genau einschätzen könne. Die Ungewissheit miteinberechnet, könne der Eintritt in die Erdatmosphäre normal verlaufen, es könne aber auch etwas "Schlechtes" geschehen, fügte Hale hinzu. "Wir haben unsere Optionen abgewogen und (...) einen sehr einfachen Plan erstellt mit guten Sicherheitsbedingungen und unter Abschwächung aller Zufälle."

Mit Roboterarm zur Unterseite der Discovery
Heute werden der US-Astronaut Steve Robinson und sein japanischer Kollege Soichi Noguchi einen Weltraumspaziergang unternehmen. Dabei sollen sie zuerst eine Art erweiterte Laderampe an der Internationalen Raumstation (ISS) anbringen. Danach soll Robinson durch den Roboterarm Canadarm unter die Unterseite der Discovery gebracht werden. Dort soll er zunächst versuchen, die beiden Isolierstücke mit der Hand zu entfernen. Wenn das nicht möglich ist, soll er eine Spezialschere zur Hilfe nehmen, wie am Montag bereits eine NASA-Expertin erläutert hatte.

Die Aufgabe an sich sei einfach, allerdings bestehe die Gefahr, dass bei dem Manöver der Schutzschild durch die Werkzeuge beschädigt werde. Hale betonte, das Risiko müsse so weit wie möglich abgemildert und unter Kontrolle gehalten werden. Schließlich solle die Lage nicht verschlimmert werden.

Weitere Reparaturen in Planung
Laut der NASA wäre es das erste Mal, dass ein Astronaut im Weltall unter den Bauch einer Raumfähre geschickt wird. Der Einsatz soll rund anderthalb Stunden dauern. Sollte die Reparatur beim ersten Mal nicht erfolgreich sein, könnten weitere Versuche am Donnerstag und Freitag unternommen werden, sagte Hale. Die Discovery soll nach der derzeitigen Planung am Samstag die ISS verlassen und am Montag zur Erde zurückkehren.

Das Füllmaterial soll beim Eintritt in die Erdatmosphäre eigentlich das Einströmen heißen Gases zwischen die Hitzeschutzkacheln verhindern. Derzeit ragen die Stücke rund zwei Zentimeter aus den Kacheln hervor; festgesetzt sind höchstens 0,6 Zentimeter.

In den vergangenen Tagen war die Oberfläche des Raumgleiters mit Hilfe von Fotos und Videos auf Schäden abgesucht worden. Im Februar 2003 war die US-Raumfähre Columbia wegen eines Defekts am Schutzschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Damals kamen alle sieben Astronauten an Bord ums Leben. (apa/red)

28.7.2005 13:36